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Von Leerstand, altengerechtem Wohnen und innovativen Konzepten

Ja, es ist wenig Zeit, u sich in der Stadt bekannt zu machen. Gestern Abend haben wir im Landhaus Puschke diskutiert und es war ein langer und intensiver Abend. Vielen Dank an alle, die ihrer Stadt und mir einen Sommerabend geopfert haben. Danke auch für die vielen Anregungen, die ich gestern Abend für mich mitnehmen konnte. Und danke auch für die Unterstützung, die ich für meine Ideen erfahren habe. Natürlich haben wir viele Baustellen und was ich immer wieder heraushöre ist die Frage, wie wir dies alles schaffen sollen. Wo anfangen? Wie finanzieren? Ja, es ist eine Herausforderung. Und ich kann nur immer wieder sagen, dass wir anfangen müssen. Der erste Schritt ist Veränderung an der Spitze der Verwaltung. Und die zweite Aufgabe ist es, wieder Einigkeit herzustellen und miteinander zu diskutieren.  Etwas, was wir auch gestern Abend einhellig feststellen konnten.

Natürlich sind die großen Ideen, den Tourismus neu zu ordnen, einen professionellen und vor allem gemeinsamen, strategisch klugen Auftritt von Stadt und Schloss zu schaffen, wirklich große Aufgaben. Aber dabei dürfen wir nicht vergessen, die täglichen Belange unserer Bürger verlässlich und sachlich zu regeln. Hier sage ich immer wieder: Wir müssen miteinander reden. Ein Bürgermeister muss in seinen Ortsteilen wirklich erreichbar  und ansprechbar sein und sich wirklich kümmern anstatt jedem zu sagen, was er gerade hören will. Wir brauchen in Zukunft ortsnahe Versorgung. Wo gehen wir einkaufen, wenn wir alt geworden sind? Haben wir einen Arzt hier, der sich dann kümmert? Wie setzen wir altengerechtes Wohnen so um, dass alte Menschen nach Möglichkeit in ihrem angestammten Umfeld bleiben können? Fragen, die bisher nicht beantwortet werden.

Das sind ebenfalls Fragen, denen man sich stellen muss. Und hier muss angepackt werden. Hier brauchen wir mutige Konzepte, die möglicherweise Leerstand in den Orten einbinden. Auch dies haben wir gestern diskutiert. Und ich habe ich eine klare Position: Wenn eine Stadt Geld dafür hat, ein Stadthaus für einen Millionenbetrag umzubauen, ohne am Ende eine sinnvolle und den Kosten angemessene Nutzung dafür aufzeigen zu können, dann muss eine Stadt auch das Geld haben, Leerstand anzukaufen, um diesen einer wirklich sinnvollen Nutzung zuzuführen und zeitgleich einem schleichenden Verfall unserer Immobilienpreise entgegen zu wirken. Wenn man Leerstand ankauft, um ihn dann z.B. gemeinsam mit privaten Unternehmen in quartiernahe und altengerechte Wohnungen umzubauen und schließlich wieder zu veräußern, dann hat man sicher mehr gekonnt, als mit dem vorgenannten Projekt. Wenn man Leerstand ankauft, um dann ein Ansiedlungskonzept für junge Familien umzusetzen, die Arbeiten und Leben miteinander verbinden wollen, dann wäre dies ein wirklicher Beitrag zur Sicherung der Zukunft unserer Stadt. Wenn man Leerstand ankauft, um die Ansiedlung medizinischer Versorgung durch günstige Mieten oder Mietkaufoptionen wieder attraktiv zu machen, dann wäre dies ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Der große Vorteil dabei? Das Geld, das man hier einsetzt, bekommt die Stadt wieder. Bedeutet: Wir helfen nur, einen guten Start hinzubekommen. Danach wird das Ganze wieder veräußert und man beginnt mit dem nächsten Projekt.

Und noch einen zweiten Ansatz kann man im Zusammenhang mit Leerstand verfolgen. Man kann es auch für die bisherigen Eigentümer interessant machen, selbst aktiv zu werden. Nämlich dann, wenn man die richtigen Rahmenbedingungen schafft. Nehmen wir ein Objekt wie das Lehngericht am Markt in der Altstadt. Wenn wir hier durch die Schließung der Schlossauffahrt und ein vernünftiges  Routing der Touristen wieder Publikum in die Stadt bringen, dann sind die Voraussetzungen da, um einen Investor auch zum investieren zu bewegen, denn dann wird es Interessenten geben, die sich mit ihren Angeboten in einer solchen Immobilie ansiedeln wollen. Dieser Kreislauf ist wichtig und bei uns derzeit eben nicht existent. Daran müssen wir arbeiten.

Und um es noch einmal klar zu sagen: Das Geld, was man hier einsetzt kommt wieder zurück. Jeder Gewerbesteuererlass für Unternehmen, die sich neu ansiedeln oder in das Tourismuskonzept investieren oder einfach nur neue und gute Arbeit schaffen, zahlt sich langfristig doppelt und dreifach aus. Diese Instrumente wurden hier noch nie genutzt und werden es wohl auch nicht, wenn alles so bleibt, wie es ist.

Wenn wir unsere Gemeinde nach vorn bringen wollen wird es Zeit, innovativ nach vorn zu arbeiten, die positiven Kräfte zu bündeln und ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. Derzeit werden Projekte umgesetzt, weil sie gefördert werden. Aber ist alles, was gefördert wird automatisch gut? Macht alles Sinn? Wird ein sinnloses Vorhaben besser, weil man 90 Prozent des Geldes von irgendwoher bekommt? Ich sage NEIN. Unsere Schuldenuhr tickt munter weiter. Denn auch die Fördermittel müssen irgendwie finanziert werden. Deshalb brauchen wir hier Vernunft und Augenmaß, denn wir haben Verantwortung für die kommenden Generationen.

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Stadtentwicklung nachgefragt

Wir reden derzeit viel! Miteinander! Das ist gut und ich denke ein wesentlicher Fortschritt. Gestern z.B. hatte ich einige sehr intensive Gespräche vor allem auch um die Frage meiner Forderung, die Schlosszufahrt zu sperren  bzw. deren Nutzung wieder zu reglementieren (beispielsweise auf Behinderte zu beschränken). Und in diesem Zusammenhang fiel auch das Wort des „Schnellschusses“, der eine solche Forderung sein soll. Nun, dem möchte ich widersprechen. Ich habe in den vergangenen Wochen das Gespräch mit Stadtplanern gesucht und – manchmal gibt es Zufälle – sogar einen hier im Café zu Gast gehabt, der damals sich um den Auftrag zur Entwicklung eines Stadtentwicklungskonzeptes bemüht hatte. Alle sind sich einig, dass ohne eine Umlenkung der Besucherströme durch die Stadt selbige keine Chance auf Entwicklung hat. Das war auch der Grund, warum ich mich in meinem Gefühl und meiner Idee bestärkt sah und sehe. Und eigentlich ist dies auch logisch, denn: Wo keine Menschen sind, ist keine Nachfrage nach Dienstleistung und anderen Angeboten. Wo keine Nachfrage, kein Umsatz. Wo kein Umsatz, kein Gewinn. Wo kein Gewinn, keine Gewerbesteuer. Wo keine Gewerbesteuer, kein Geld für Projekte. Und – Wo keine Nachfrage, auch keine Arbeit! Es ist relativ einfach.

Zudem müssen wir uns die Frage stellen, wo sich gerade ältere Menschen unserer Stadt in zehn oder 20 Jahren mit dem Lebensnotwendigen versorgen sollen? Wo sind denn dann die Räume für soziale Gemeinschaft? Wo ist der Platz zum Leben? Wollen wir alle davon abhängig sein, dass uns unsere Kinder einmal die Woche zum Netto fahren (wenn es den dann bei negativer Bevölkerungsentwicklung noch gibt)? Wollen wir alle dann nur noch hier wohnen, statt zu leben? Wo sollen die Anreize für junge Leute herkommen, sich hier anzusiedeln, zu bleiben, Kinder zu bekommen? Wer arbeitet denn hier tatsächlich noch, wenn wir alles über Konzerne in Regale liefern lassen? Diese sogenannten „weichen“ Standortfaktoren sind es, die über wohlfühlen oder wegwollen entscheiden. Das  sind die Fragen der Zukunft, die sich stellen und die es zu lösen gilt.

 

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Faktensuche und erste Gespräche

Gestern hatte ich die Gelegenheit, mir vor Ort ein Bild von dem zu machen, was auf Rosts Wiesen geschaffen wurde und was noch in Planung ist. Da dies eines der Projekte ist, die am meisten und zudem sehr kontrovers diskutiert wurden und werden, habe ich die Einladung gerne angenommen, um mir selbst ein Bild zu machen. Wir haben lange und sehr offen über das Vorhaben und die damit verbundenen Kritiken gesprochen und ich bedanke mich an dieser Stelle dafür, dass sich Herr Schreier die Zeit genommen hat, mir meine Fragen zu beantworten. Ich denke, dass wir an dieser Stelle nach einer Wahl anknüpfen müssen, um in einem ordentlich organisierten und sachlichen Prozess mögliche Lösungen und Kompromisse zu finden. Ich weiß, dass in den vergangenen Jahren Kompromisse eher als Niederlagen denn als Sieg galten. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass gute Kompromisse machbar sind. Wenn sie der gemeinsamen Sache dienen und alle Interessen berücksichtigen. Schwarz oder Weiß kann auf Dauer keine Lösung sein. Vor allem dann nicht, wenn man in einer Stadt viele Interessen miteinander vereinen muss. Ich bin überzeugt davon, dass wir in Augustusburg schaffen können, was anderswo ebenfalls bewältigt wird.

Aus der Draufsicht eines seit sieben Jahren hier lebenden Bürgers, der hinter dem Kandidaten Neubauer steckt, ist es ohnehin die erste Aufgabe, wieder eine neutrale Gesprächsebene herzustellen, auf der sich alle Parteien, Vereine und Bürger wiederfinden. Und das bezieht sich nicht nur auf das Projekt Rosts Wiesen. Generell wird es nötig sein, einen Strich unter vergangene Dispute zu ziehen. Ein solcher Neuanfang ist schwer, denn er verlangt von allen ein großes Maß an Kompromissbereitschaft. Und die Kraft, seinen Gegenüber wieder als das zu sehen, was er ist: In erster Linie ebenfalls ein Bürger der Stadt, der in den allermeisten Fällen ebenfalls als Ziel hat, hier etwas zu bewegen. Will sagen: Wir alle müssen es schaffen, wieder miteinander statt übereinander zu sprechen. Wir müssen Gemeinschaft neu begründen. Warum dies so wichtig ist? Weil wir in den kommenden Jahren riesige Aufgaben zu lösen haben. Dies wird nur funktionieren, wenn wir alle bereit sind, diesen Weg zu gehen.

Ich weiß, dass dies dem einen oder anderen vielleicht ein wenig zu allgemein daher kommt. Lassen Sie sich sagen, dass die Wiederherstellung einer funktionierenden Gesprächsebene die erste und wichtigste Aufgabe ist. Sie ist das Fundament, auf dem wir Zukunft bauen werden. Ohne dieses Fundament bauen wir weiterhin auf Sand.

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Danke für das Vertrauen

Amtlich ist es noch nicht. Dennoch freue ich mich hier mitteilen zu können, dass die 40 Unterschriften für meine Kandidatur geleistet wurden. Dies teilte mir gestern die Stadt mit. Nun werden die Stimmen auf Gültigkeit überprüft und ich hoffe mal, dass es hier keine Überraschungen gibt. Wenn nicht, ist die erste Hürde genommen. Und das erste Mal Gelegenheit, mich bei all denen zu bedanken, die in dieser kurzen Zeit zusammen gekommen sind, um meine Kandidatur zu ermöglichen. Danke an alle, die dafür geworben haben. Danke an alle, die mir diesen ersten Vertrauensbonus gaben. Der erste Schritt ist getan.

Nun geht es an die Planung der weiteren Aufgaben. Zum einen bin ich damit beschäftigt, die vielen Hinweise aus den täglichen Gesprächen auszuwerten und in meine Pläne zu integrieren. Zum anderen habe ich auch erste Gesprächsangebote zu konkreten Projekten und Fragen, die ich sehr gerne wahrnehmen werde. So werde ich in dieser Woche die Gelegenheit haben, mich vor Ort über die Planungen zur zweiten Skipiste zu informieren, was ich auch gerne wahrnehme. Schließlich sollte man detailliert wissen, worum es in der Sache geht.

Außerdem werde ich in dieser Woche nachhaken, was mit der Weiterführung der Gespräche zum Thema gemeinsame Marketingagentur von Schloss und Stadt wird. Zwar habe ich die Vermutung, dass unsere Bürgermeisterin diese Gespräche sicher so nicht weiterführen möchte, dennoch aber werde ich das Thema nicht ruhen lassen, nur weil es jetzt eine Konkurrenzsituation gibt. Ich denke, dies sollte bei Problemlösungen keine Rolle spielen. Ich weiß, dass dies bisher hier meist nicht so gelaufen ist und Befindlichkeiten über alles gingen. Das aber ist meine Sache nicht. Wir werden sehen, ob dies die Gegenseite auch so sieht.

In der kommenden Woche werde ich in Erdmannsdorf zu einer zweiten Informationsveranstaltung einladen. Diese wird im Landhaus Puschke stattfinden. Der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest. Danach folgen dann Kunnersdorf, Hennersdorf und Grünberg. Schließlich habe ich ja in Sachen Vorstellung ein bisschen was aufzuholen.

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Was mich Leute fragen…

Es ist schön, dass derzeit nicht ein Tag vergeht, an dem mich Augustusburger aufsuchen, um mehr über mich und meine Ideen zu erfahren. Da hier immer mal wieder Fragen auftauchen, die vielleicht alle interessieren, möchte ich diese hier ab und an mal veröffentlichen. Könnte ja sein, dass der eine oder andere die gleichen Dinge wissen möchte.  Die am häufigsten gestellte Frage ist die nach der Zukunft meines / unseres Unternehmens für den Fall, dass ich Bürgermeister werden sollte. Hierzu ein klares Wort: Sollte ich mit dieser großen Aufgabe betraut werden, werde ich diese auch mit 100% meiner Kraft erfüllen. Wir sind eine Familienbetrieb und ab Oktober wird (so oder so) meine Lebensgefährtin unsere Rösterei betreiben. Nämlich dann, wenn unser Oscar zur Tagesmutti geht, um dort „seinen Job“ zu machen. Dies war ohnehin geplant und ist deshalb also keine Sonderregelung.

Eine weitere Frage ist die nach der „Verwaltungskompetenz“ meiner Person. Diese ist in der Tat nicht sonderlich ausgeprägt, was ich jedoch für kein Problem halte, denn:  Zum einen gibt es Angebote des Landkreises, die ein Erwerben der wesentlichen Kenntnisse möglich machen. Zum anderen haben wir in der Verwaltung eine Reihe Spezialisten, die in dem jeweiligen Feld ihre Kompetenzen haben. Als Bürgermeister muss man zuhören, führen und natürlich wissen, wovon die Rede ist. Für Letzteres muss also noch einmal die Schulbank her. Für alles andere habe ich genügend praktische Berufserfahrung in der vergangenen 20 Jahren gesammelt. Zu meiner Tätigkeit gehörte in den vergangenen Jahren stets auch die Entwicklung von Businessplänen (vergleichbar zur Haushaltsführung). Ich denke zudem, dass zu einem guten Führungsstil auch gehört, dass sich die Fachbereiche innerhalb ihres Themas auch „frei bewegen“ und Verantwortung übernehmen können. Vertrauen ist wichtig. Sachkenntnis auch. Und: Schließlich wählen wir meines Wissens nach gerade keinen König, der alles alleine entscheiden muss 🙂

Interessant auch die Frage was aus jenen wird, die nicht Bestandteil des Tourismus werden wollen. Nun: Natürlich müssen wir die täglichen Belange unserer Bürger  verlässlich und mit der gleichen Energie regeln, wie wir das große Ziel Tourismus verfolgen werden. Dies ist klar und selbstverständlich. Und ich bin überzeugt, dass auch jeder Bürger der Stadt gerne davon profitieren wird, wenn es uns gelingt,  in unserer Stadt und ihren Teilen neue kulturelle Angebote, Dienstleistungen und Handel wieder zu etablieren. Unsere Stadt lebenswerter zu machen und für alle Bürger gleich welchen Einkommens ein Mehr an Lebensqualität zu erreichen, dies ist ein wichtiges Teilziel. Und was damit langfristig verbunden ist, ist die Schaffung von neuer Arbeit. Denn wenn Investitionsanreize geschaffen werden, wird auch investiert. Und wer investiert, hat Aufträge zu vergeben. Und wer dies im Sinne der lokalen Wertschöpfung tut, wird auch die hiesigen Unternehmen dabei mit einbeziehen.

Last but not least fragt man mich auch, ob ich denn die Kraft haben werde, gegen zu erwartende Widerstände durchsetzungsfähig zu bleiben. Auch hier antworte ich eindeutig mit einem ja. Warum ich mir hier so sicher bin? Zum einen habe ich in den vergangenen Jahren einige schwierige Aufgaben lösen müssen, was zum Job eines Beraters dazu gehört. Zum anderen denke ich, dass wir mit ein paar Grundregeln, nämlich der Einhaltung von Ehrlichkeit, Transparenz und Sachlichkeit in der Debatte eine zukunftsweisende Kultur schaffen können. Ich bin ein großer Fan von Kommunikation und ich denke, dieses wird in Zukunft einer der wichtigen Schlüssel für ein besseres Miteinander sein. Wir müssen mehr miteinander reden, in der Sache diskutieren und Kompromisse finden ohne uns gegenseitig zu verletzen. Das wird nicht einfach. Aber es wird funktionieren.

 

 

 

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Ihr macht mir MUT!

Ich gebe zu, ich war ein wenig aufgeregt. Nicht, weil ich nicht wüsste, vor Menschen zu sprechen. Eher deshalb, weil ich mir nicht sicher war, ob denn tatsächlich jemand kommen würde. Die Sorge war unbegründet, denn offensichtlich gibt es Interesse daran, meine Positionen für unsere Stadt kennen zu lernen. Und nach einem spannenden, dreieinhalbstunden andauernden ersten „Wahlkampfabend“ kann ich sagen, dass ich mich auf weitere Runden sehr, sehr freue. Und noch etwas bewegt mich inzwischen sehr. Nämlich die Frage, warum offensichtlich all die Jahre so viele engagierte Menschen mit Ideen und Tatkraft nicht in die Politik der Stadt wirklich einbezogen wurden. Warum so viele gute Hinweise bisher einfach schlicht ignoriert wurden. Ich kann und will nicht verstehen, was der Grund hierfür sein könnte. Eine Kommune lebt von ihren Bürgern. Von deren Engagement, von deren Ideenreichtum von deren Bereitschaft, sich für die gemeinsame Sache stark zu machen. Wer dies verinnerlicht, der steht dem, was ich alleine in den vergangenen vier Wochen alles erfahren habe, sprachlos gegenüber. Ich für meinen Teil kann sagen: Dies wird sich ändern. Die Aufgaben, die wir hier zu lösen haben, kann ein Bürgermeister, kann eine Verwaltung  allein nicht bewältigen.  Und schon deshalb ist jeder Willkommen, der sich freiwillig für alle engagiert. Wir werden diese Einsatzbereitschaft brauchen. Die Aufgaben sind groß, denn es ist in den vergangenen Jahren viel liegen geblieben. Und viele Probleme sind dadurch nur noch größer geworden.  Leider ist das ein Teil der Bilanz Jugelt, den diese sehr gerne verschweigt.

Ich werde heute den nächsten Vorstellungstermin organisieren. Dieser wird diesmal in Erdmannsdorf stattfinden. Wenn ich soweit bin, werde ich dies öffentlich machen. Vielen Dank! Und bis dahin nicht vergessen: Wir brauchen noch Unterschriften für meine Kandidatur! Bitte gehen Sie ins Rathaus und unterschreiben Sie für mich. Damit wir die Chance haben, wirklich etwas zu ändern.

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Warum ich kandidiere

Liebe Augustusburger, Erdmannsdorfer, Kunnersdorfer, Hennersdorfer  und Grünberger,

2011-01-21 21.33.42-2

seit gestern ist es offiziell: Ich habe mich entschlossen, meine Kandidatur für die anstehende Bürgermeisterwahl im September einzureichen. Diese Entscheidung ist Ergebnis eines langen Denkprozesses und sie zu treffen war nicht einfach. Nun aber bin ich angetreten. Weil ich fest davon überzeugt bin, dass es so wie bisher in unserer Stadt nicht weitergehen kann. Und weil ich glaube, dass die vielen Probleme und Verwerfungen im Miteinander hier am ehesten von einem Außenstehenden angepackt werden können, der lange genug hier lebt, um die Stadt und deren Teile zu kennen. Aber kurz genug, um unabhängig und frei in der Entscheidung zu sein.

Um es gleich zu sagen: Ich bin kein Wutbürger, auch wenn es in den vergangenen Monaten genügend Gründe gegeben hätte, diesen Pfad einzuschlagen. Nein. Als Journalist und Unternehmensberater, aber auch als Gewerbetreibender in unserer Stadt sehe und spüre ich die Folgen der Politik der vergangenen Jahre, die geprägt war von Inkonsequenz, Nichtkommunikation, Ideen- und Konzeptlosigkeit und daraus folgend Stillstand. Und letzteres ist – und dies ist keine Übertreibung – tödlich für eine Kommune, die in schweren Zeiten ihre Zukunft finden muss.

Was fehlt, ist ein klares Ziel und ein Plan, dieses zu erreichen. Und die alles entscheidende Frage ist, was Augustusburg in zehn Jahren sein will. Meine Suche nach einer Antwort blieb bisher erfolglos, denn unsere Spitze der Stadt war nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. Und hier beginnt das Problem. Wenn der Reiseleiter nicht weiß, wohin die Reise geht, dann will und kann auch keiner mitfahren. Dabei gibt es ein Marketingkonzept, das die Tourismus-Marketing-Gesellschaft des Landes Sachsen (TMGS) für die Stadt erstellt hat und das gleich reihenweise gute Ideen und Ansätze für eine Strategie liefert, die auf dem Tourismus gründet. Umgesetzt wurde davon beinahe nichts. Über die Gründe hierfür kann man nur spekulieren und dies ist meine Sache nicht.

In diesem Blog möchte ich Ihnen meine Positionen und Ideen transportieren und erklären, aber mich auch zur Diskussion stellen. Es sind bisher nur Ansätze und Gedanken. Noch ist es kein fertiges Konzept, denn dieses muss in Zusammenarbeit mit Stadt, Rat, Schloß, Bürgern und Vereinen gemeinsam entstehen. Ich weiß, dass es in unserer Stadt viele engagierte Bürger, Vereine und Gewerbetreibende gibt. Ich denke, die erste Pflicht eines Bürgermeisters wäre es, diese Kräfte zusammenzuführen und unter dem Dach einer gemeinsamen Idee zu bündeln und denen den Rücken zu stärken die bereit sind, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Dies ist in erster Linie keine Frage des Geldes sondern eher die Frage von Führung und Kommunikation. Erst in zweiter Linie, nämlich dann, wenn man ein Konzept umsetzen möchte, kommen finanzielle Fragen ins Spiel, die es dann zu lösen gilt. Uns allen muss dabei klar sein, dass die Aufgabe Zukunft uns alle betrifft und uns alle fordern wird. Nur ein Miteinander aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft kann schließlich zu einem guten Ende führen. Jeder von uns wird hier gefragt sein und ein jeder von uns wird Positionen überdenken und vielleicht auch aufgeben müssen, um den Weg für eine für alle sinnvolle Entwicklung  unserer Stadt frei zu machen, die wiederum uns allen dient. Ob Gewerbetreibender oder Anwohner. Denn wir alle sitzen im selben Boot. Nur eine lebendige, vielseitige Kommune ist lebenswert. Nur an einem solche Ort möchte man bleiben. Nur an einem solchen Ort möchte man seine Kinder aufwachsen sehen. Nur ein solcher Ort hat wirklich eine Zukunft.

Ich freue mich, an dieser Aufgabe mitwirken zu können und denke, dass es Zeit ist, Weichen neu zu stellen. Bitte unterstützen Sie mich dabei.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Neubauer

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Medienwelt

Das Papier stirbt. Es lebe der Journalismus!

Es ist schon einige Zeit her. Ich glaube, es sind sogar schon Jahre. Damals hatte ich ein Projekt bei der Frankfurter Rundschau. Und schon damals – Dumont war nichtmal in Sicht – schlich bereits der Tod über die Flure. Woran man dies erkennen konnte? Ganz einfach. Innerhalb von drei Wochen wurde das gesamte Projektteam einmal ausgetauscht. Nein, nicht weil die Kollegen nicht fähig waren. Sie waren nicht mehr da. Schon damals galt die gute alte FR als eine Art Teilchenbeschleuniger für die eigene Karriere. Anheuern, ein bisschen mitmachen und dann weiter bewerben. Mit dem Satz im Gepäck: „…und dann war ich bei der Frankfurter Rundschau.“

Nun ist die alte Dame insolvent. Ihr ist über Missmanagement und Profilsiechtum schlicht das Geld ausgegangen. Greece influenca. Nur eben hier. Bei uns. Tja und weil man dies nicht so einfach eingestehen kann, muss es einen Schuldigen geben. Am besten einen, den man nicht anrufen kann um zu fragen, ob dem wirklich so ist, wie behauptet wird. Und das sind nicht die Eigentümer, die durch Sparprogramme den Abwärtstrend nicht stoppen konnten, weil man mit Benzin kein Feuer löschen kann. Es lag auch nicht an der Führung des Blattes, dessen Profil in den vergangenen Jahren durch die sich ändernde politische Landkarte die Zielgruppe abhanden gekommen war. Was irgendwie keiner gemerkt haben will. Es lag auch nicht an der unklaren Ausrichtung des Geschäftsmodells. National, regional, scheiss egal.

Nein. Es ist das Netz. Das böse, alles kostenlos wollende Weltnetz hat es auf die FR abgesehen. Es gebahr Blogs, kostenlose Infopages und Anzeigendatenbanken, die den Anzeigenkunden schlicht und ergreifend einfach mehr Kontakte brachten als es das bedruckte Papier je konnte. Ein Haufen Drähte, Schaltkreise und Transistoren hat die gute alte Marke einfach so gekillt. Böse, böse Bites!

Das alles haben wir schon einmal gehört. Von der Musikindustrie, die immer behauptete, dass niemals Musik über das Netz verkauft werden würde. Olala. Bei solchen Aussagen klopft man sich in Cuppertino noch heute vor Lachen die Schenkel lila. Heute ist klar: Man wollte einfach nur weiter CD´s verkaufen. Dass es eigentlich um Musik ging, hatte man irgendwie übersehen. Und dass die Kunden lieber bequem im Netz das kaufen, was sie wirklich hören wollen, statt sich den 90sten Blödsampler kaufen zu müssen, damit man den einen Song hören kann, den man hören wollte. Das wollte man irgendwie nicht mitbekommen. Selbst ACDC, die wohl prominentesten Analogrocker, sind nun eingeknickt und bei iTunes präsent. Weil sie es sonst nämlich nichtmehr wären. Ganz einfach: Wer bei der Sendung mit der Maus nicht dabei ist, macht den Elefanten. Trööt.

Diese Diskussion führen nun Verlage. Und es ist eine ähnlich traurige, wie sie die Dudelindustrie inzwischen stillschweigendst zu verarbeiten sucht. Dabei geht es nicht um Netz, Papier, Tonspur oder sonstwas. Es geht um Ideen und es geht um ordentlichen Journalismus. Und es geht darum, dass der nicht kostenlos zu haben ist, was auch im Netz längst kein Geheimnis ist. Es geht nicht um den Träger, es geht um Inhalte und Wege, diese gewinnbringend zu vermarkten. Und der einzige, der sich wirklich Sorgen machen müsste, ist mein Postbote. Ich bin 41. Ich bin medienutzungsseitig gesehen ein Hybride. Ich kann Zeitungen noch entziffern und komme auch im Netz ganz gut zurecht. Alles nach mir kennt nur noch Netz und mobile Web. Papier ist ein seltener Szenebegleiter. Es sei denn, es ist so speziell bedruckt, dass es die Zielgruppe begeistert. Das kann Zeitung nicht. Zeitung ist breit, allumfassend, überblickend und wenn sie richtig gut ist auch einordnend. Damit eigentlich unverzichtbar. Aber eben auf der virtuellen Fernbedienung eines durchschnittlichen 18jährigen auf Platz 178 abgelegt. Zwischen ZDF und den Dritten. Und ganz weit hinter facebook, youtube und Co. Das ist wie FDP-Listenplatz 760 bei der nächsten Bundestagswahl. Das riecht nach Tod.

Es ist der Kanal, der gestört ist. Es ist die Art und Weise, wie Redaktionen gestrickt sind. Es sind falsche Themen und quere, selbstgefällige Schwebezustände auf Besserwisserwolken, die Klarsicht zum Boden verhindern. Journalisten, die sich als Zeitungsredakteure und nicht als Journalisten sehen. Und als alleinige Inhaber der Nachricht. „Hey, ich kenne den Minister persönlich“, sagt der Redakteur. „Toll, dann frag ihn doch, was ich ihn fragen würde“, sagt der Leser. Und wartet. Es sind aber auch kleingesparte Redaktionen, die die nun geforderte Alleinstellung gar nicht mehr produzieren können, weil im Akkord Seiten „geschoben werden“. Stress frisst Kreativität. Jeder weiss es. Keiner bewegt sich. Rette sich wer kann geht anders.

Aber: Das alles kann man ändern. Nähe zum Leser. Verständnis für die Wirkungsweise des Netzes. Neue Frequenzen der Aktualisierungen, schnellere und gründlichere Nähe zu dem was ist. Offenheit, Diskurs. Nicht von oben. Augenhöhe. Das Monopol der Nachrichtenverbreitung ist gebrochen. Was jetzt zählt, ist Qualität, Qualität, Qualität. Einzigartigkeit, Einzigartigkeit, Exklusivität, Nutzen und Schnelligkeit. Das unterscheidet. Das bringt den Leser weiter, hat einen Wert. Dafür zahlt er einen Preis. Und dieser Preis verdient mehr, weil er weniger kostet. Keine Papiertonnagen, keine Zustellerheere. Eine Datei auf einem Server. Zwischen den ganzen bösen Drähten und Schaltkreisen, die so tödlich sind für das Papier.

Und gut für den Wald. Und auch für den Journalismus. Warum also können wir nicht aufhören, von einer Krise in die nächste zu stürzen. Die Printauflagen sinken, weil sich das Mediennutzungsverhalten ändert. So what? Das war vor dem Netz schon so und wird auch nach dem Netz so sein. Wenn die kommenden Generationen diese Form nicht mehr wollen, wenn sie andere Themen haben und andere Interessen. Dann ist das eine Chance. Nicht in erster und einziger Linie ein Problem, das man wegsparen kann. Nein. Hier muss man Ideen entwickeln, Testballone starten und ausprobieren. Und vor allem: Investieren. In neue Technologien aber auch in Redaktionen und Qualität! Denn wer etwas verkaufen will, muss etwas haben, das jemand anderes braucht. Die Verlage haben jahrzehntelang Traumrenditen gefahren. Jetzt ist es Zeit, einen Teil dieses Geldes in die Zukunft des Journalismus zu investieren. Und damit in einen wichtigen Teil unserer freiheitlichen Grundordnung. Denn darum geht es eigentlich.

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Medienwelt

iPhones aus Meck-Pom! Hellas, Wackeldakelis…

Was für ein Tag! Bei den Schlagzeilen muss man quasi schon mit dem Stahlhelm in den Keller. Warum? Lesen Sie keine Welt per App ? Sollten Sie. Dann würden Sie auch wissen, dass die Regierung von Samaras wackelt! Jawoll! Sie wissen nicht, wo Samaras liegt? Scheißegal! Die Regierung WACKELT! Dort hinten. Da oben! Ne da unten. Hinter dem Dings! Ja, dem Arsch, der aus dem Acker ragt. Na der mit den Zacken. Wie heisst der doch gleich. Jetzt weiss ich’s wieder. Die Alpen. Da liegt des Wackeldackels Kern: Griechenland. Da ist quasi Polen offen. Moment. Ist das politisch korrekt? Mit ostdeutschem Migrationshintergrund und einem Opa… Gott hab ihn seelig. Wenngleich mich wundern würde, wenn der alte Herr in dessen Zuständigkeitsbereich gelandet ist. Aber man weiß ja nie, welche Software die Zuweisung steuert.

Aber neben dieser schweren, weltpolitischen Krise dann noch das: Ein Russe will Hitlers Geburtshaus abreißen. Und das in Österreich. Ja hab ich was verpasst? Haben die dort jetzt auch eine Pipeline gebaut und die Ösis in Schutzhaft genommen? So wie die Afghanen? Oder wurden die Ösis mit Schläfern verwechselt? Das ist nicht unbedingt abwegig. Jaaa, schauuuuns. (da fehlen gefühlt zehn Dehnungshaaahhhs) Allerdings geht von denen keine Gefahr aus. Nicht von den Haaaahhhs. Vom Alpenvolk an sich. Sieht man mal von exportiertem Führungspersonal ab. Damit hatten wir ja nicht sooo viel Glück. Also der Opa, der meinige. Egal. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist der Kollege Sowjetbürger ein bisschen nachtragend. Und das ist auch vollkommen bummi! Samaras wackelt! Das ist alles was zählt.

Naja. Wäre da nicht die Meldung, dass Frankreich nun endlich der Arbeitslosigkeit den Kampf angesagt hat. Mann. Da geht aber jetzt die Post ab. Haben die echt lange für gebraucht, das so zu entscheiden. Auch egal. Jetzt wird ja alles gut. Nein, nicht für Samaras! In Frankreich. (Sie sind nicht bei der Sache!)

Aber dann. Der Hammer! Die Zeitschriftenverleger Deutschlands haben getagt und tatsächlich herausgefunden, dass das iPad das Magazin der Zukunft tragen wird. Das ist mindestens so wichtig wie die Abrissmeldung aus Österreich. Und an sich inhaltlich so revolutionär und neu wie die französische Kampfansage an die Arbeitslosigkeit. Aber dann gab’s doch noch Zündstoff: Es könne nicht angehen, dass Apple nur zwei Prozent Steuern in Europa zahle. Während die Verlage doch voll berappen müssen. Nun, vielleicht haben die einfach noch keine App dafür. So wie die Griechen. Hellas Wackeldackelis! Wer weiß. Allerdings ist witzig, dass ausgerechnet ein Herr Burda den Apfel madig redet. Der Herr Verleger habe – so heisst es böswillig – seine einzige Tageszeitung in gefühlte 50 GmbHs zerlegt. Klingt nach einem Steuersparmodell. Ist aber sicher nur üble Nachrede. Ich habe keine Ahnung.

Aber die Nachricht des Tages! Weihnachten ohne iPhone 5! Skandalös. Nicht vorstellbar. Also da kann mich selbst der angenockte Raki-Bruder mal im Dunkeln auf der Bundesbank besuchen. Die können nicht liefern, die Chinesen. Sind einfach zu wenige, um die vielen Weihnachtssmartys zusammenzuhäkeln. Und da wurde mir klar: Das ist die Chance. Ja, für Mecklenburg. Genauso weit weg von Cupertino haben wir dort billigste Ressourcen! Ehrliches Landvolk. Und alles Rechtshänder. Und sicher auch nicht teurer. Und wenn Adis Geburtshaus jetzt abgerissen wird, müssen die da auch nicht mehr dauernd hinfahren. Ist ja eh nur ein Vorurteil, dass die dort alle eine kleinen Drall haben. Nur wegen der paar national befreiten Zonen. Die woll’n doch nur spielen.

Komisch. Darüber habe ich nichts gelesen.

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Satire & Nachdenkliches

Herr, Obame Dich seiner! Und meiner bitte auch.

Endlich! Morgen früh wachen wir auf und die Sechs-Milliarden-Dollar-Frage ist hoffentlich geklärt. Schwarz oder weiß. So einfach ist die Entscheidung, die im maroden Weltregierungsstaat 1 von den dort ansässigen Burgerbürgern getroffen werden muss. Denn um mehr geht es nicht. Ist ja am Ende egal, wer die Karre im Dreck lässt. Die Amis wären nicht die Amis, wenn sie dies nicht wüssten. Und ein bisschen erinnert das an die gute alte DDR. Wieso? Nunja. Grundhaftes Flickwerk auf Pump, keine wirkliche Wahl und planvolles Dauerversagen statt Weiterentwicklung. Habe ich schonmal gehört. In meiner alten Heimatstadt zum Beispiel hat man jahrelang immer wieder Strassenbahnschienen hingepflastert, die die schweren Tschechentrams nicht trugen. Wusste jeder. Und dennoch: Vorwärts zum 40. Jahrestag. Der Baustelle natürlich. Und bei den Amis? Die halbe Welt mit Waffenstarre umerziehen wollen und Zuhause schön die Stromkabel wieder in die Bäume hängen aus denen der letzte Wirbelsturm die zum xten Mal rausgeblasen hat. Lernfähig ist anders. Wenigstens schreit dort keiner nach dem Staat. Das hat man denen schon frühzeitig abgewöhnt. Und deshalb ist auch egal, wer den Staat lenkt. Herr, Obame sich seiner.

Und meiner bitte auch, denn bei uns ist man noch nicht soweit. Übrigens auch wie in der guten alten DDR. Dort – das hat mir mal einer erzählt, der früher Eingaben bearbeitet hat (für die jüngeren Leser: eine Art facebook-Gewinnspiel. Nur ohne gewinnen). Also dort hat mal die Brigade eines Ziegelwerkes jahrelang Eingaben an die Parteileitung geschrieben, weil das Dach der Werkswohnungen undicht war. Man hätte auch ein paar mehr Ziegel brennen können. Ein Subotnik und das Dach wäre dicht gewesen. Nee, nee, nee. Nich mit uns! Schließlich hat man ja seine 18 Mark Miete gezahlt. Auf 50 Quadrat. Den Rest reim ich mir zusammen: Es kam die Wende. Haus verkauft, Sanierungsrückstau aufgelöst, Dach neu gedeckt. Mieterhöhung! 18 Mark. Für einen Quadrat. Wieder Attacke! Geklagt als Hausgemeinschaft. Weil Eingaben jetzt Klage heissen. Nix gewonnen. Wie früher. Selber schuld, würde ich sagen. Andere nennen das „Siegerjustiz“.

Und heute? Heute debattieren wir alles und jeden kreisförmig langsam in Grund und Boden. Und wenn wir auf einer Bananenschale ausrutschen, dann heißt es wütend: Scheiß Staat. Sofort bildet sich eine Bürgerbewegung zur Klärung der Schalenfrage. Die EU fordert eine Richtlinie nach rutschfesten Gelblingen. Die Regierungskoalition führt eine Praxisgebühr für Obststände ein. Die Opposition ist natürlich dagegen. Weil es ihr Job ist. Die Gewerkschaften fordern Bananen für Langzeitausrutscher. Dagegen ist die schwarz-gelbe Koalition, weil sonst die Gelben nichtmehr erkennbar wären unter den ganzen Unterschichtensüdfrüchten. Und womöglich jeder unerkannt mit am Koalitionstisch Platz nehmen könnte. Nicht auszudenken. Merkel und eine Banane als Vizekanzler! Dafür haben wir die Mauer nicht umgeschubst. Dafür nicht! Und weil das alle Obstfreunde und Walldorf-Fans scheisse finden, stricken wir alle unsere Bananenschalen selbst und tanzen unsere Forderung in den staubigen Asphalt: Freiheit für die Nudisten-Banane. Und die bocklosen Piraten segeln im Shitstorm in den gelben Sonnenuntergang. Ähm. Wo war ich?

Ach ja. So lernen wir. DDR, BRD, USA. Alle Dreibuchstabensuppen sind gleich. Die Bananenschale bleibt trotz allem eine Biowaffe, die man durch EU-genormtes Bücken beseitigen kann. Und die Wahl gewinnt der Gewinner. Gute Nacht.

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