Allgemein

Warum ich kandidiere

Liebe Augustusburger, Erdmannsdorfer, Kunnersdorfer, Hennersdorfer  und Grünberger,

2011-01-21 21.33.42-2

seit gestern ist es offiziell: Ich habe mich entschlossen, meine Kandidatur für die anstehende Bürgermeisterwahl im September einzureichen. Diese Entscheidung ist Ergebnis eines langen Denkprozesses und sie zu treffen war nicht einfach. Nun aber bin ich angetreten. Weil ich fest davon überzeugt bin, dass es so wie bisher in unserer Stadt nicht weitergehen kann. Und weil ich glaube, dass die vielen Probleme und Verwerfungen im Miteinander hier am ehesten von einem Außenstehenden angepackt werden können, der lange genug hier lebt, um die Stadt und deren Teile zu kennen. Aber kurz genug, um unabhängig und frei in der Entscheidung zu sein.

Um es gleich zu sagen: Ich bin kein Wutbürger, auch wenn es in den vergangenen Monaten genügend Gründe gegeben hätte, diesen Pfad einzuschlagen. Nein. Als Journalist und Unternehmensberater, aber auch als Gewerbetreibender in unserer Stadt sehe und spüre ich die Folgen der Politik der vergangenen Jahre, die geprägt war von Inkonsequenz, Nichtkommunikation, Ideen- und Konzeptlosigkeit und daraus folgend Stillstand. Und letzteres ist – und dies ist keine Übertreibung – tödlich für eine Kommune, die in schweren Zeiten ihre Zukunft finden muss.

Was fehlt, ist ein klares Ziel und ein Plan, dieses zu erreichen. Und die alles entscheidende Frage ist, was Augustusburg in zehn Jahren sein will. Meine Suche nach einer Antwort blieb bisher erfolglos, denn unsere Spitze der Stadt war nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. Und hier beginnt das Problem. Wenn der Reiseleiter nicht weiß, wohin die Reise geht, dann will und kann auch keiner mitfahren. Dabei gibt es ein Marketingkonzept, das die Tourismus-Marketing-Gesellschaft des Landes Sachsen (TMGS) für die Stadt erstellt hat und das gleich reihenweise gute Ideen und Ansätze für eine Strategie liefert, die auf dem Tourismus gründet. Umgesetzt wurde davon beinahe nichts. Über die Gründe hierfür kann man nur spekulieren und dies ist meine Sache nicht.

In diesem Blog möchte ich Ihnen meine Positionen und Ideen transportieren und erklären, aber mich auch zur Diskussion stellen. Es sind bisher nur Ansätze und Gedanken. Noch ist es kein fertiges Konzept, denn dieses muss in Zusammenarbeit mit Stadt, Rat, Schloß, Bürgern und Vereinen gemeinsam entstehen. Ich weiß, dass es in unserer Stadt viele engagierte Bürger, Vereine und Gewerbetreibende gibt. Ich denke, die erste Pflicht eines Bürgermeisters wäre es, diese Kräfte zusammenzuführen und unter dem Dach einer gemeinsamen Idee zu bündeln und denen den Rücken zu stärken die bereit sind, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Dies ist in erster Linie keine Frage des Geldes sondern eher die Frage von Führung und Kommunikation. Erst in zweiter Linie, nämlich dann, wenn man ein Konzept umsetzen möchte, kommen finanzielle Fragen ins Spiel, die es dann zu lösen gilt. Uns allen muss dabei klar sein, dass die Aufgabe Zukunft uns alle betrifft und uns alle fordern wird. Nur ein Miteinander aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft kann schließlich zu einem guten Ende führen. Jeder von uns wird hier gefragt sein und ein jeder von uns wird Positionen überdenken und vielleicht auch aufgeben müssen, um den Weg für eine für alle sinnvolle Entwicklung  unserer Stadt frei zu machen, die wiederum uns allen dient. Ob Gewerbetreibender oder Anwohner. Denn wir alle sitzen im selben Boot. Nur eine lebendige, vielseitige Kommune ist lebenswert. Nur an einem solche Ort möchte man bleiben. Nur an einem solchen Ort möchte man seine Kinder aufwachsen sehen. Nur ein solcher Ort hat wirklich eine Zukunft.

Ich freue mich, an dieser Aufgabe mitwirken zu können und denke, dass es Zeit ist, Weichen neu zu stellen. Bitte unterstützen Sie mich dabei.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Neubauer

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Medienwelt

Das Papier stirbt. Es lebe der Journalismus!

Es ist schon einige Zeit her. Ich glaube, es sind sogar schon Jahre. Damals hatte ich ein Projekt bei der Frankfurter Rundschau. Und schon damals – Dumont war nichtmal in Sicht – schlich bereits der Tod über die Flure. Woran man dies erkennen konnte? Ganz einfach. Innerhalb von drei Wochen wurde das gesamte Projektteam einmal ausgetauscht. Nein, nicht weil die Kollegen nicht fähig waren. Sie waren nicht mehr da. Schon damals galt die gute alte FR als eine Art Teilchenbeschleuniger für die eigene Karriere. Anheuern, ein bisschen mitmachen und dann weiter bewerben. Mit dem Satz im Gepäck: „…und dann war ich bei der Frankfurter Rundschau.“

Nun ist die alte Dame insolvent. Ihr ist über Missmanagement und Profilsiechtum schlicht das Geld ausgegangen. Greece influenca. Nur eben hier. Bei uns. Tja und weil man dies nicht so einfach eingestehen kann, muss es einen Schuldigen geben. Am besten einen, den man nicht anrufen kann um zu fragen, ob dem wirklich so ist, wie behauptet wird. Und das sind nicht die Eigentümer, die durch Sparprogramme den Abwärtstrend nicht stoppen konnten, weil man mit Benzin kein Feuer löschen kann. Es lag auch nicht an der Führung des Blattes, dessen Profil in den vergangenen Jahren durch die sich ändernde politische Landkarte die Zielgruppe abhanden gekommen war. Was irgendwie keiner gemerkt haben will. Es lag auch nicht an der unklaren Ausrichtung des Geschäftsmodells. National, regional, scheiss egal.

Nein. Es ist das Netz. Das böse, alles kostenlos wollende Weltnetz hat es auf die FR abgesehen. Es gebahr Blogs, kostenlose Infopages und Anzeigendatenbanken, die den Anzeigenkunden schlicht und ergreifend einfach mehr Kontakte brachten als es das bedruckte Papier je konnte. Ein Haufen Drähte, Schaltkreise und Transistoren hat die gute alte Marke einfach so gekillt. Böse, böse Bites!

Das alles haben wir schon einmal gehört. Von der Musikindustrie, die immer behauptete, dass niemals Musik über das Netz verkauft werden würde. Olala. Bei solchen Aussagen klopft man sich in Cuppertino noch heute vor Lachen die Schenkel lila. Heute ist klar: Man wollte einfach nur weiter CD´s verkaufen. Dass es eigentlich um Musik ging, hatte man irgendwie übersehen. Und dass die Kunden lieber bequem im Netz das kaufen, was sie wirklich hören wollen, statt sich den 90sten Blödsampler kaufen zu müssen, damit man den einen Song hören kann, den man hören wollte. Das wollte man irgendwie nicht mitbekommen. Selbst ACDC, die wohl prominentesten Analogrocker, sind nun eingeknickt und bei iTunes präsent. Weil sie es sonst nämlich nichtmehr wären. Ganz einfach: Wer bei der Sendung mit der Maus nicht dabei ist, macht den Elefanten. Trööt.

Diese Diskussion führen nun Verlage. Und es ist eine ähnlich traurige, wie sie die Dudelindustrie inzwischen stillschweigendst zu verarbeiten sucht. Dabei geht es nicht um Netz, Papier, Tonspur oder sonstwas. Es geht um Ideen und es geht um ordentlichen Journalismus. Und es geht darum, dass der nicht kostenlos zu haben ist, was auch im Netz längst kein Geheimnis ist. Es geht nicht um den Träger, es geht um Inhalte und Wege, diese gewinnbringend zu vermarkten. Und der einzige, der sich wirklich Sorgen machen müsste, ist mein Postbote. Ich bin 41. Ich bin medienutzungsseitig gesehen ein Hybride. Ich kann Zeitungen noch entziffern und komme auch im Netz ganz gut zurecht. Alles nach mir kennt nur noch Netz und mobile Web. Papier ist ein seltener Szenebegleiter. Es sei denn, es ist so speziell bedruckt, dass es die Zielgruppe begeistert. Das kann Zeitung nicht. Zeitung ist breit, allumfassend, überblickend und wenn sie richtig gut ist auch einordnend. Damit eigentlich unverzichtbar. Aber eben auf der virtuellen Fernbedienung eines durchschnittlichen 18jährigen auf Platz 178 abgelegt. Zwischen ZDF und den Dritten. Und ganz weit hinter facebook, youtube und Co. Das ist wie FDP-Listenplatz 760 bei der nächsten Bundestagswahl. Das riecht nach Tod.

Es ist der Kanal, der gestört ist. Es ist die Art und Weise, wie Redaktionen gestrickt sind. Es sind falsche Themen und quere, selbstgefällige Schwebezustände auf Besserwisserwolken, die Klarsicht zum Boden verhindern. Journalisten, die sich als Zeitungsredakteure und nicht als Journalisten sehen. Und als alleinige Inhaber der Nachricht. „Hey, ich kenne den Minister persönlich“, sagt der Redakteur. „Toll, dann frag ihn doch, was ich ihn fragen würde“, sagt der Leser. Und wartet. Es sind aber auch kleingesparte Redaktionen, die die nun geforderte Alleinstellung gar nicht mehr produzieren können, weil im Akkord Seiten „geschoben werden“. Stress frisst Kreativität. Jeder weiss es. Keiner bewegt sich. Rette sich wer kann geht anders.

Aber: Das alles kann man ändern. Nähe zum Leser. Verständnis für die Wirkungsweise des Netzes. Neue Frequenzen der Aktualisierungen, schnellere und gründlichere Nähe zu dem was ist. Offenheit, Diskurs. Nicht von oben. Augenhöhe. Das Monopol der Nachrichtenverbreitung ist gebrochen. Was jetzt zählt, ist Qualität, Qualität, Qualität. Einzigartigkeit, Einzigartigkeit, Exklusivität, Nutzen und Schnelligkeit. Das unterscheidet. Das bringt den Leser weiter, hat einen Wert. Dafür zahlt er einen Preis. Und dieser Preis verdient mehr, weil er weniger kostet. Keine Papiertonnagen, keine Zustellerheere. Eine Datei auf einem Server. Zwischen den ganzen bösen Drähten und Schaltkreisen, die so tödlich sind für das Papier.

Und gut für den Wald. Und auch für den Journalismus. Warum also können wir nicht aufhören, von einer Krise in die nächste zu stürzen. Die Printauflagen sinken, weil sich das Mediennutzungsverhalten ändert. So what? Das war vor dem Netz schon so und wird auch nach dem Netz so sein. Wenn die kommenden Generationen diese Form nicht mehr wollen, wenn sie andere Themen haben und andere Interessen. Dann ist das eine Chance. Nicht in erster und einziger Linie ein Problem, das man wegsparen kann. Nein. Hier muss man Ideen entwickeln, Testballone starten und ausprobieren. Und vor allem: Investieren. In neue Technologien aber auch in Redaktionen und Qualität! Denn wer etwas verkaufen will, muss etwas haben, das jemand anderes braucht. Die Verlage haben jahrzehntelang Traumrenditen gefahren. Jetzt ist es Zeit, einen Teil dieses Geldes in die Zukunft des Journalismus zu investieren. Und damit in einen wichtigen Teil unserer freiheitlichen Grundordnung. Denn darum geht es eigentlich.

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Medienwelt

iPhones aus Meck-Pom! Hellas, Wackeldakelis…

Was für ein Tag! Bei den Schlagzeilen muss man quasi schon mit dem Stahlhelm in den Keller. Warum? Lesen Sie keine Welt per App ? Sollten Sie. Dann würden Sie auch wissen, dass die Regierung von Samaras wackelt! Jawoll! Sie wissen nicht, wo Samaras liegt? Scheißegal! Die Regierung WACKELT! Dort hinten. Da oben! Ne da unten. Hinter dem Dings! Ja, dem Arsch, der aus dem Acker ragt. Na der mit den Zacken. Wie heisst der doch gleich. Jetzt weiss ich’s wieder. Die Alpen. Da liegt des Wackeldackels Kern: Griechenland. Da ist quasi Polen offen. Moment. Ist das politisch korrekt? Mit ostdeutschem Migrationshintergrund und einem Opa… Gott hab ihn seelig. Wenngleich mich wundern würde, wenn der alte Herr in dessen Zuständigkeitsbereich gelandet ist. Aber man weiß ja nie, welche Software die Zuweisung steuert.

Aber neben dieser schweren, weltpolitischen Krise dann noch das: Ein Russe will Hitlers Geburtshaus abreißen. Und das in Österreich. Ja hab ich was verpasst? Haben die dort jetzt auch eine Pipeline gebaut und die Ösis in Schutzhaft genommen? So wie die Afghanen? Oder wurden die Ösis mit Schläfern verwechselt? Das ist nicht unbedingt abwegig. Jaaa, schauuuuns. (da fehlen gefühlt zehn Dehnungshaaahhhs) Allerdings geht von denen keine Gefahr aus. Nicht von den Haaaahhhs. Vom Alpenvolk an sich. Sieht man mal von exportiertem Führungspersonal ab. Damit hatten wir ja nicht sooo viel Glück. Also der Opa, der meinige. Egal. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist der Kollege Sowjetbürger ein bisschen nachtragend. Und das ist auch vollkommen bummi! Samaras wackelt! Das ist alles was zählt.

Naja. Wäre da nicht die Meldung, dass Frankreich nun endlich der Arbeitslosigkeit den Kampf angesagt hat. Mann. Da geht aber jetzt die Post ab. Haben die echt lange für gebraucht, das so zu entscheiden. Auch egal. Jetzt wird ja alles gut. Nein, nicht für Samaras! In Frankreich. (Sie sind nicht bei der Sache!)

Aber dann. Der Hammer! Die Zeitschriftenverleger Deutschlands haben getagt und tatsächlich herausgefunden, dass das iPad das Magazin der Zukunft tragen wird. Das ist mindestens so wichtig wie die Abrissmeldung aus Österreich. Und an sich inhaltlich so revolutionär und neu wie die französische Kampfansage an die Arbeitslosigkeit. Aber dann gab’s doch noch Zündstoff: Es könne nicht angehen, dass Apple nur zwei Prozent Steuern in Europa zahle. Während die Verlage doch voll berappen müssen. Nun, vielleicht haben die einfach noch keine App dafür. So wie die Griechen. Hellas Wackeldackelis! Wer weiß. Allerdings ist witzig, dass ausgerechnet ein Herr Burda den Apfel madig redet. Der Herr Verleger habe – so heisst es böswillig – seine einzige Tageszeitung in gefühlte 50 GmbHs zerlegt. Klingt nach einem Steuersparmodell. Ist aber sicher nur üble Nachrede. Ich habe keine Ahnung.

Aber die Nachricht des Tages! Weihnachten ohne iPhone 5! Skandalös. Nicht vorstellbar. Also da kann mich selbst der angenockte Raki-Bruder mal im Dunkeln auf der Bundesbank besuchen. Die können nicht liefern, die Chinesen. Sind einfach zu wenige, um die vielen Weihnachtssmartys zusammenzuhäkeln. Und da wurde mir klar: Das ist die Chance. Ja, für Mecklenburg. Genauso weit weg von Cupertino haben wir dort billigste Ressourcen! Ehrliches Landvolk. Und alles Rechtshänder. Und sicher auch nicht teurer. Und wenn Adis Geburtshaus jetzt abgerissen wird, müssen die da auch nicht mehr dauernd hinfahren. Ist ja eh nur ein Vorurteil, dass die dort alle eine kleinen Drall haben. Nur wegen der paar national befreiten Zonen. Die woll’n doch nur spielen.

Komisch. Darüber habe ich nichts gelesen.

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Satire & Nachdenkliches

Herr, Obame Dich seiner! Und meiner bitte auch.

Endlich! Morgen früh wachen wir auf und die Sechs-Milliarden-Dollar-Frage ist hoffentlich geklärt. Schwarz oder weiß. So einfach ist die Entscheidung, die im maroden Weltregierungsstaat 1 von den dort ansässigen Burgerbürgern getroffen werden muss. Denn um mehr geht es nicht. Ist ja am Ende egal, wer die Karre im Dreck lässt. Die Amis wären nicht die Amis, wenn sie dies nicht wüssten. Und ein bisschen erinnert das an die gute alte DDR. Wieso? Nunja. Grundhaftes Flickwerk auf Pump, keine wirkliche Wahl und planvolles Dauerversagen statt Weiterentwicklung. Habe ich schonmal gehört. In meiner alten Heimatstadt zum Beispiel hat man jahrelang immer wieder Strassenbahnschienen hingepflastert, die die schweren Tschechentrams nicht trugen. Wusste jeder. Und dennoch: Vorwärts zum 40. Jahrestag. Der Baustelle natürlich. Und bei den Amis? Die halbe Welt mit Waffenstarre umerziehen wollen und Zuhause schön die Stromkabel wieder in die Bäume hängen aus denen der letzte Wirbelsturm die zum xten Mal rausgeblasen hat. Lernfähig ist anders. Wenigstens schreit dort keiner nach dem Staat. Das hat man denen schon frühzeitig abgewöhnt. Und deshalb ist auch egal, wer den Staat lenkt. Herr, Obame sich seiner.

Und meiner bitte auch, denn bei uns ist man noch nicht soweit. Übrigens auch wie in der guten alten DDR. Dort – das hat mir mal einer erzählt, der früher Eingaben bearbeitet hat (für die jüngeren Leser: eine Art facebook-Gewinnspiel. Nur ohne gewinnen). Also dort hat mal die Brigade eines Ziegelwerkes jahrelang Eingaben an die Parteileitung geschrieben, weil das Dach der Werkswohnungen undicht war. Man hätte auch ein paar mehr Ziegel brennen können. Ein Subotnik und das Dach wäre dicht gewesen. Nee, nee, nee. Nich mit uns! Schließlich hat man ja seine 18 Mark Miete gezahlt. Auf 50 Quadrat. Den Rest reim ich mir zusammen: Es kam die Wende. Haus verkauft, Sanierungsrückstau aufgelöst, Dach neu gedeckt. Mieterhöhung! 18 Mark. Für einen Quadrat. Wieder Attacke! Geklagt als Hausgemeinschaft. Weil Eingaben jetzt Klage heissen. Nix gewonnen. Wie früher. Selber schuld, würde ich sagen. Andere nennen das „Siegerjustiz“.

Und heute? Heute debattieren wir alles und jeden kreisförmig langsam in Grund und Boden. Und wenn wir auf einer Bananenschale ausrutschen, dann heißt es wütend: Scheiß Staat. Sofort bildet sich eine Bürgerbewegung zur Klärung der Schalenfrage. Die EU fordert eine Richtlinie nach rutschfesten Gelblingen. Die Regierungskoalition führt eine Praxisgebühr für Obststände ein. Die Opposition ist natürlich dagegen. Weil es ihr Job ist. Die Gewerkschaften fordern Bananen für Langzeitausrutscher. Dagegen ist die schwarz-gelbe Koalition, weil sonst die Gelben nichtmehr erkennbar wären unter den ganzen Unterschichtensüdfrüchten. Und womöglich jeder unerkannt mit am Koalitionstisch Platz nehmen könnte. Nicht auszudenken. Merkel und eine Banane als Vizekanzler! Dafür haben wir die Mauer nicht umgeschubst. Dafür nicht! Und weil das alle Obstfreunde und Walldorf-Fans scheisse finden, stricken wir alle unsere Bananenschalen selbst und tanzen unsere Forderung in den staubigen Asphalt: Freiheit für die Nudisten-Banane. Und die bocklosen Piraten segeln im Shitstorm in den gelben Sonnenuntergang. Ähm. Wo war ich?

Ach ja. So lernen wir. DDR, BRD, USA. Alle Dreibuchstabensuppen sind gleich. Die Bananenschale bleibt trotz allem eine Biowaffe, die man durch EU-genormtes Bücken beseitigen kann. Und die Wahl gewinnt der Gewinner. Gute Nacht.

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Privatmeinung

Endlich! Erdhansa erobert den nahen Osten.

Wenn man jeden Tag 200 Kilometer pendelt, dann kann man was erleben. Gelangweilte Vertreter, erkennbar am uneiligen Standardpassat, die die Strassen mit dem Abbummeln ihrer Arbeitszeit (Sorry Chef, stand im Stau) ebenso verstopfen, wie die unvermeidlichen Tschechenbrummis, die teils nur vom Rost zusammengehalten ungebremst durch lärmgeplagte Ortschaften brettern, um den Aufschwung Fernost mautneutral am Leben zu erhalten. Da kann es schonmal sein, dass man vom freundlichen 40tonner erst angeblinkt und schlimmstenfalls einfach untergepflügt wird. Unverantwortlich in Zeiten von extremen Fachkräftemangel. Und wenn man dann doch wider Erwarten unversehrt abends auf der Couch landet, nachdem man sich durch diesen Highway-Krieg gezuckelt hat, schlägt die folgende Nachricht ein wie eine Bombe: Die deutsche Bahn erobert den nahen Osten! Endlich! Schnelle Verbindungen nach Chemnitz, Erfurt und ja, sogar nach Aue. Tausende Pendler entspannt im Kuschelsitz, versorgt mit Pünktlichkeit und Kaffee. Abertonnen Billigprodukte aus Tschechien auf der Schiene. Tausende Rostbomber verschrottet, Thänkyou for Träveling endlich auch für mich! Moment. Irgendwo muss das einen Haken haben. Nein, ich meine nicht den Punkt mit der Pünktlichkeit. Ein bisschen flunkern kann man ja mal. Nein, es muss was anderes sein. Mmh. Ja klar! Zuendelesen den Artikel. Das war’s. Denn die Bahn meint nicht den ganz nahen Osten, sie meint den nahen Osten. Die Ecke, wo der liebe Gott direkt unter den Gebetsteppichen der Mullas unser schönes Öl verbuddelt hat. Dort will man wachsen. Nicht hier. Hier ist kein Platz für ein modernes Verkehrsunternehmen. Im Land der Autos, der Beton- und Asphalt-Kartelle und der Pendlerpauschale gibts keine Lobby für ein dichtes Schienennetz. Und im Rentenosten zudem auch bald keine Pendler mehr. Aber im nahen Osten, da schwingt sich der Landmann künftig in den ICE ohne Klimaanlage. Für ein Jahresgehalt eines durchschnittlichen Kameltreibers zwar, aber das können wir ja aus Steuermitteln fördern. Und auch die Konkurrenzlatte liegt nicht eben hoch. Da gilt es nur das Kamel in Sachen Pünktlichkeit abzuhängen. Und das sollte selbst die Erdhansa hinbekommen. Nochzumal ein Großteil der Fahrgäste nur Sanduhren benutzt. Und damit das auch klappen kann, haben die Schienenheinis auch gleich mal Magdeburg vom ICE-Netz abgekoppelt. Dort werden dann vermutlich Kamele den Pendelverkehr übernehmen. Schön langsam, voll Bio und ohne Neigetechnik. Allerdings wird das Sachsen-Anhalt nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich pendelt die halbe Landesverwaltung nach Hannover. 20 Jahre nach der Wende hat man noch keine adäquaten Ostkräfte gefunden. Und nach der Umstellung der Landwirtschaft auf Genmais zur Energiegewinnung (dort züchtet man schon R6-Kolben) kriegt man die Viecher ja nicht satt. Und so wird das wohl nix mit der Kamel-Brücke. Und der Oberminister hat auch schon machtvoll insistiert. Da werden die Weichensteller in Berlin aber mächtig zittern.

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Satire & Nachdenkliches

Softeis für Griechenland!

Es gibt Studien, die sind spannend, überraschend und lehrreich. Und es gibt solche, bei denen man sich fragt, warum sie eigentlich gemacht wurden. Und dann gibt es welche, die auf den zweiten Blick ganz tief gehen. Stimmt nicht? Na dann sprechen wir doch mal über eine brandaktuelle Untersuchung aus Leipzig, die sich mit dem schweren Stand – was für eine Wortbrücke – von dicken Kindern auseinandersetzt. Die sächsischen Forscher mussten 3000 Menschen in ganz Deutschland befragen um herauszufinden, dass die Mehrheit der Deutschen Dicke und hier im besonderen unsere kleinen Pummelbürger mit Zitat „negativen Stereotypen“ belegt. Das heißt: Die Mehrheit von uns findet dicke Kinder… Na, Sie wissen schon.

Grandios, möchte man ausrufen und fragt sich dabei, ob man das Geld für jene Erhebung nicht besser direkt nach Griechenland überwiesen hätte, statt zu beweisen, dass es nachts schon immer dunkel wird. Denn, dass dicke Kinder nicht eben angesagt sind, für faul und bewegungsarm gehalten werden, das ist wohl schon solange so, wie ich denken kann. Auch auf unserem sozialistischen Schulhof wurde dicken Pionieren das Halstuch – sagen wir – gerne neu geknotet. Und beim Zweifelderball wollte auch keiner diese unbeweglichen Ziele haben. Neu ist ebenfalls nicht, dass wohl ein Großteil der betroffenen Wumsbrummer nicht wirklich genetisch entsprechend disponiert sind, wie man es medizinisch umschreiben würde. Die meisten haben sich die Ringe ehrlich erworben. Burger und Nintendo sei Dank.

Warum also untersucht man eine Frage, die wahrscheinlich schon bei den Höhlenmenschen beantwortet war? Um zu beweisen, dass diese ablehnende Haltung nicht dazu führt, dass die Betroffenen abnehmen. Im Gegenteil, sagen die Forscher. Es führt zum Frustessen, was das Ganze ja bekannter Maßen nicht besser macht. Ist auch nicht brandneu und bedeutet nichts anderes, als das wir künftig jedem Zwergenmoppel mal eben noch ein Softeis in die kleinen Wurstfinger drücken sollten, um diesem Trend endlich Einhalt zu gebieten. Nun, ich hätte ja auf verstärkten Schulsport und Obst gesetzt. Aber ich bin auch ein elender und überholter Traditionalist.

Ja, meine Lieben. Was also soll diese Studie? Erst nach langem Grübeln und mehreren Tafeln Schokolade habe ich den tieferen Sinn entschlüsseln können! Griechenland! Ja! Jetzt ist alles klar. Jetzt habe ich endlich verstanden, warum wir dem klammen Sonnenstaat all die Milliarden ins Schaufenster stellen. Unsere dauernde Ablehnung von Sommer, Sonne, Subventionen hat zu einer milliardenschweren Trotzverschwendung geführt. Genau! Und deshalb sollen die nämlich durch permanente, legale Verschwendungsorgien einfach die Lust am Geldausgeben verlieren. Prassen bis die Langeweile jeglichen Konsumtionswillen gebrochen hat! Genial! Softeis für Griechenland. Lasst die Helenen sich ihre Formel 1 Strecke bauen. Lasst sie weiter ihre Fischkutter abwracken und gebt Geld, Geld, Geld. Am Besten ganz ohne Auflagen. Irgendwann, so in 20 oder 30 Jahren, haben die dann so eine Stinkelangeweile, dass sie von selber ein Steuersystem und eine wunderbare Verwaltung aufbauen. Das haben wir bei uns genau so gemacht. Hat auch funktioniert.

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Satire & Nachdenkliches

My Hobby is my Job! Die Steuerflat.

Irgendwie denke ich manchmal, dass ich im falschen Film die Nebenrolle spiele. Da haben wir einen Exfinanzminister und Bundestagsabgeordneten, der nebenbei mal locker eine halbe Million abstaubt. Alles nicht so schlimm sagt er. Wir machen das ja transparent. Und wenn jeder sehen kann, was ich nebenbei verdiene, dann ist ja alles gut. Nunja. Beinahe. Also, eigentlich nicht wirklich.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eine Bäckereifachverkäuferin hält nebenbei Vorträge bei der Deutschen Bank. Sagen wir, über das Leben mit richtiger Hände Arbeit. Damit es den Herren mal ordentlich warm wird unter dem Nadelstreifen und die Kollegen ahnen was auf Sie zukommt, wenn sie auch den Rettungsschirm verzockt haben. Und stellen wir uns weiter vor, dies läuft so gut, dass auch die Vorstände der anderen Glücksspielunternehmen ihr Personal mal richtig erschrecken wollen. Dann kommt die Angestellte ein wenig ins Trudeln, denn eigentlich schafft sie das nicht alles, hat sie doch beide Hände im Plunderteig wenn die Limo schon vor dem Laden parkt, um sie zum nächsten Vortrag abzuholen.

Und so entsteht ein echter Interessenkonflikt. Denn der Bäckermeister, der ihren Arbeitsvertrag irgendwann mal mit mehliger Tinte unterschrieben hat, wird wenig Verständnis aufbringen für diesen neuen Nebenjob. Denn: Seine Angestellte ist derzeit mehr auf Vortragsreise als im Laden, wofür er sie ja eigentlich mehr oder minder ordentlich entlohnt. Da wäre aber ordentlich Dampf in der Backstube. Und jetzt stellen wir uns noch vor, wie die kleine Angestellte allen Mut zusammennimmt und ihrem Arbeitgeber den entwaffnenden Satz entgegen schleudert: „Nicht so schlimm, ich sag ja, was ich vom wem bekomme.“ Ich denke, spätestens jetzt würden die üblichen Abmahnungen übersprungen, um direkt zur Kündigung zu schreiten. Wenn das mal nicht im Einzelfall als Amoklauf im Heutejournal endet. Klaus Kleber würde sehr betroffen sein.

In unserem Fall sind wir die Bäckermeister und mir fehlt die Phantasie zu glauben, das einer, der 15 TEUR im Monat für einen wirklich echt harten Job bekommt noch Zeit findet, für den Gegenwert von einer halben Million (ungefähr 90 Jahresfachverkäuferinnengeälter) ein wenig durch die Gegend zu lamentieren. Und selbst wenn: Steht dann nicht ein Teil jenen zu, die ihn eigentlich für seine wirkliche Arbeit entlohnen? Kann das sein?

Und ist es nicht die Aufgabe eines hochdotierten Würdenträgers, seine Amtsaussagen ansonsten kostenfrei zu transportieren? Wäre dies nicht so, als ob unsere Verkäuferin ein Honorar für die Verkündung des Verkaufspreises verlangen würde? Nicht? Oh. Ich muss los. Zum nächsten Vortrag.

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Satire & Nachdenkliches

We’re in The desert to dismantle a Atomic Bomb…

Wir sehen, dass wir nichts sehen. Wir sehen, dass wir blind sind. Wir sehen, dass uns der Wohlstand den Blick verstellt. Worauf? Auf das Wesentliche. Ich mag TV Diskussionen nicht. Die heute Abend entzieht sich dem. Vor allem, weil ich unseren Verteidigungsminister für einen der wenigen Geraden unter den Lobbygekrümmten halte. Zum anderen, weil es Zeit wird, wieder mit dem Denken zu beginnen. Ich habe den Film gesehen. Eher zufällig. Und ich bin entsetzt. Und jetzt kommen Bilder, Erinnerungen. Sehr schnell. Sehr präsent. Schwarze Fensterhöhlen entlang endloser Staubpiste. Rußumrandet. Mitten im unfertigen oder zerschossenen Ziegelbau. Vertriebenleeres Zuhause. Für niemanden. Kinderaugen ohne Glanz. Ängstliches Zusammenrücken vor fremder Kamera. Kollateralschaden in Kleinmenschformat. Traumatisiert auf immer. Bombentrichter in Dörfern, wo diese laut CNN niemals sein konnten. Denn man bombardierte aus 5000 Metern Höhe natürlich mit einem Skalpell. Minimalinvasiv und mit Tarnkappe. Anflug über den großen Teich. Dann wieder zurück. Abertausende Kilometer. Für Menschenrechte? Ein Waffentest im strategisch unwichtigen Sandkasten wohl eher. Kasernenbauten vor offiziellem Mandat des Bundestages. Hitlergruss dem deutschen Besucher. Massengräber inmitten einer Stadt. Fussballplätze voller Kreuze. Ratlosigkeit. Das alles passierte. Sechs Autostunden von hier. Noch heute sehe ich das alles vor mir. Wie lange ist es her? 15 Jahre? Ich habe gesehen, was Realität und offizielle Nachrichtenlage miteinander zu tun haben, wenn Interessen bewaffnet werden. Inmitten von Europa. Was wird wohl sein, wenn Tausende, unüberbrückbare Kilometer dazwischen liegen? Was sagen uns die Bilder? Was passiert hinter der Kamera? Es interessiert uns nicht. Gutezeitenschlechtezeiten. Ende. Vielleicht noch ein Stratosprung, gesponsert vom Roten Ochsen, der in meiner Heimatstadt witziger Weise für einen Stasiknast steht. Oder Bilder vom Marsroboter. Der hat Kieselsteine gefunden. Oh. Es gab dort Wasser. Jetzt leider nichtmehr. Wie schade.

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Privatmeinung

Von der Mehrung der Angler

Es war so. Ich habe mich erkannt. In Einstrichkeinstrich. Kommandiert von Vollidioten. Behelmt und mit Gasmaske. Später schwimmend in der Elbe. Bei Treibeis und Schiffsverkehr. Zum Aufwärmen vor der Übung. Dann sitzend auf einem Anker. Mit dem Pressluftgerät gegen die Strömung gestemmt. Feustel und Meißel und den gefühllosen Händen. Trübdunkler Fluss vor dem Gesicht. Kalter Strom im Nacken. Stahltrossen trennen. Luftblasen keuchen ins Dunkel. Sand knirscht in der Strömung. Ein Geräusch ohne Richtung aber überall. Sechs Minuten Normzeit. Für den Weltfrieden. Ich hab’s immer geschafft. Weltfrieden gab’s trotzdem keinen.

Später haben wir geräumt. 20 Jahre alte Wassersperren. Bis zum verweigerten Befehl, weil keiner wissen wollte, was in trüber Havelbrühe auf uns wartet. Die Pläne waren schon Geschichte bevor das Land es war, deren Besicherung sie einst beschrieben hatten. Eiligkeit statt Recht und Freiheit. Die Genossen Hauptleute waren jetzt „einer von uns“ und hatten längst den Reißwolf bemüht. Und wir hießen nun Herren und durften widersprechen. Wir taten das so unbeholfen, wie beim ersten Gespräch mit Siri. War es doch ebenso absurd und unfasslich. Und die Gesichter in die man sprach konnten den Zorn darüber kaum verdecken.

Lange her und doch drückt dies noch immer auf die Schläfen. Und kurz hat der Turm in seiner Überzeichnung dies alles auferstehen lassen. Und unfreiwillig das bestätigt, was ich gestern schrieb. Warum die Revolution, wenn dann doch alle mit der neuen Freiheit nicht besseres anzufangen wissen, als mehr angeln zu gehen? Die These des Exkulturgenossen – geplant als Irrwitz der Geschichte – ist wahr geworden. Wir angeln in den Warteschlangen der Kassenzonen unserer Welt. Wir angeln in der Garage, wenn wir das geliebte Leasingblech mit Elsterglanz auf Westglanz bringen. Wir angeln auf dem Allinclusive-Flug nach 14 Tage irgendwo. Und wir vergessen. Weil es einfach ist. Wir passen uns an, so wie wir es gelernt haben. Wir ballen die Faust in der Tasche. Wir könnten was tun, denn es würde uns nichts geschehen. Aber alle anderen sind ja sowieso angeln. Und so geht’s wieder nur um die Möhre vor der Nase, die uns jeden Tag aus den Federn lockt.

Vielleicht wachen wir in 20 Jahren noch einmal auf. Und dann fragen wir uns wie heute, warum wir nicht diejenigen waren, die die ersten Kerzen angezündet haben. Und unsere Kinder fragen uns so wie wir heute unsere Eltern fragen sollten, warum wir nichts getan haben. Wir sollten diesmal eine Antwort haben.

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Privatmeinung

One step Closer to knowing

Wir haben es vergessen. Wir haben vergessen, wie die Schornsteine rochen. Wir haben das allseitige, allbestimmende Grau verdrängt, das uns bestimmte. Wir haben vergessen, wie selektiv wir ehrlich waren. Wir haben vergessen. Über das neue Grau, das nun bunt ist haben wir uns gefreut bis auch dies zur Last wurde. Wir haben die Zwänge getauscht. Lastwechsel in Kopf und Seele. Aber wir haben auch gewonnen. Freiheit, soweit wir diese unter Hypothekenlast und Krisenahnung noch spüren. So wichtig und doch so groß, als das man sich jeden Tag daran erfreuen könnte. Wir sollten, denn das was war, war so schlimm, dass wir alle fast alles vergessen haben.

Ich brauche keinen lindsatztriefenden TURM um zu erinnern. Ich brauche keinen Gewissensgauck. Ich rieche den Holunderduft meiner Bahndammkindheitsverstecke. Ich fühle noch immer die Leichtigkeit des Kindseins. Damals. Am Rand der grauen, in sich versinkenden Divastadt, die alten Zeiten nachtrauernd bedeutend unbedeutend war. Keine Last, weil man sie nicht sehen konnte. Im Kindskopf gab es keine Redegrenzen. Das ist, was Schlechtes überlagert. Mit einer wohligen Kuscheldecke aus sorgenfreier Heimatzeit. Verklärt von 20 Jahren Dauerlauf im neuen Stadion. Wer weiss da schon noch, wo er mal losgelaufen ist? Und ich sehe gewendete Geschichten. Menschen von damals, die heute schon immer ganz anders waren. Keiner, der sich verantwortlich sieht. Man musste, weil man nicht anders wollte. Anders ist anstrengend. Anders ist weit draussen. Weit vor der Zwölfmeilengrenze der privaten Wohlfühlzone, die heute hübsch renoviert die neue Welt markiert. Zuhause ist die Welt die eigene.

Zwei Jahrzehnte in neuem Takt. Doch ist der anders? Reden kann man, wenn man es sich leisten kann. Nicht, wenn man was zu sagen hat. Und ob einer zuhört im babylonischen Getön ist oft die Frage, ob man Iro trägt und ständig twittert. Die Grenzen gelten nur für die, deren Konto sie Zuhause hält. Aber einmal Mallorca geht immer. Brot, Reisen und Privatfernsehen. Und ein bisschen Gaspedal durchtreten. Damit man anders ist. Schau mal, ich trau mir eine 120 auf 100er Strecke. Ich bin nicht konform. Ich mach mir meine Regeln. En bisschen Rock’n’Roll. Aber um sieben müssen wir zuhause sein. Da gibts Essen. Die Umwelt. ja, die hat gewonnen, denn die machen wir ein bisschen langsamer kaputt als früher. Dafür verpacken wir das besser. Und sonst? Viel Langeweile, die man am Samstag zum Baumarkt trägt. Oder ins neue Shoppingcenter. Nur nicht nachdenken. Immer schön konjunkturen, damit der Kahn unter Dampf bleibt. Jetzt, wo halb Europa feststellt, dass die Party vorbei und das Ende in Sicht ist. Die Kapelle spielt. So schlimm kann’s ja nicht sein.

Da war doch nochwas. Achja, die Freiheit, die wir uns so wünschten und die die meisten weder gestern noch heute vermissen. Diese Freiheit ist schon ein bisschen lästig, will sie doch gelebt sein. Wo wir uns doch lieber leben lassen. Die Freiheit muss warten. Bis wir mal Zeit haben für sie. Oder sie uns einer wieder wegnimmt. Ganz heimlich. Während wir beim OBI an der Kasse stehen.

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