Viel Zeit ist vergangen. Zwischen den ersten Gedanken zu einer möglichen Koexistenz zwischen Virus und Mensch und dem Modellprojekt in unserer Stadt, das Ergebnis dieser Überlegungen war. Heute, einen Parteiaustritt und etliche sinnlose Gefechte später ist eines klar geworden: So können wir nicht weitermachen. Das stolze Parteiensystem und die representative Demokratie. Zwei Säulen unserer Grundordnung. Sie müssen revolutioniert werden! Und zwar dringend. Denn sonst werden wir die wirklichen Aufgabe dieser Zeit nicht lösen können. Und schlimmer noch: Die Demokratie ist in Gefahr! Nicht mehr und nicht weniger.

Kein Wunder dies alles in Zeiten, in denen sich binnen weniger Jahre alles anders wurde. Unser Wertesystem. Die Art, wie wir arbeiten, uns Meinungen bilden, zusammenleben. Das Einzige, was garantiert ist, ist die stetige, immer schneller greifende Veränderung. Und dabei stehen die wirklich großen Aufgaben noch vor der Tür! Immer weniger Arbeit muss auf immer mehr Menschen sozial verteilt werden, wenn wir die Ressourcen des Planeten nicht weiter verfrühstücken wollen. Per Lieferservice und Wegwerfgesellschaft, die durch die derzeitigen Lockdowns auch noch forciert wird. Und in Zeiten, in denen der Planet brennt und wir schnell und effektiv eingreifen müssen, ist alles, was wir derzeit entgegen zu setzen haben zu langsam, zu zerstritten und von personifizierten Feindbildern besetzt. Ideologisches Kleinklein. Unbeweglich, verkämpft. Verkrampfte Millimeterarbeit. Und das die Digitalisierung dem allem zum Überfluss ebenfalls keinen systemischen Stein auf dem anderen lässt, sollte sich eigentlich auch herumgesprochen haben. Was es aber irgendwie dann doch nicht hat. Der Idealzustand im Land ist Stillstand. Niemand muss entscheiden. Keiner muss sich aus seiner Komfortzone bewegen. Die beliebteste Frage ist die Schuldfrage. Wer war dies? Wer wollte das nicht? Die Frage nach der Lösung versinkt im Gedöns und Geschrei der digitalen Tribunale. Und dann die Pandemie. Sie hat aufgezeigt, was nicht funktioniert! Sie ist nicht die Ursache. Die liegt tiefer. Viel tiefer. Und sie hat eine lange Tradition. Da bisher aber noch nie so viele Bürger gleichzeitig von diesem Mantra der Politik direkt betroffen waren, ist es nicht aufgefallen. Jetzt aber ist alles sichtbar.

Inkonsequentes Handeln auf dem kleinsten Nenner. Strategiefreies Vorgehen. Mit kleinen Schritten und viel Lärm. Nein. Das ist kein plattes Bashing. Das ist das Muster, nachdem in Deutschland viele Entscheidungen fallen. So auch jetzt. Und das wir uns nicht falsch verstehen: Dieses Pandemie ist eine außerordentliche Herausforderung, auf die niemand vorbereitet war! Und ich gehöre nicht zu jenen, die mit dem Wissen von heute das Handeln von vor einem Jahr kritisieren wollen. Aber ich gehöre zu jenen die fragen, warum wir im Lauf der Zeit nicht damit begonnen haben, zu lernen. Eine Strategie zu suchen. Erkenntnisse umzusetzen in Vorwärts? Eine Alternative zum ewigen Schließen zu entwickeln, beispielsweise. Warum wir unsere Kräfte nicht bündeln, um Lösungen zu suchen. Wieder Kleinklein. Wieder viele Stimmen. Wieder inkonsequentes Handeln. Nein. Ein gemeinsames Vorgehen mit den Ressourcen dieses Landes gab es wieder nicht. Die Öffnungsprojekte die stattfanden, waren keine Gemeinschaftswerke. Sie waren allesamt erkämpft. Zumeist privat initiiert. Verzweiflungstaten nahezu. Gegen das ewige Wiederholen von verfügen, beschränken und schließen. Die öffentliche Unterstützung, die nun so sehr hervorgehoben wird. Sie war in unserem Fall nicht wirklich vorhanden. Ja. Zwei Minister haben den Ball aufgenommen. Den wir zuvor monatelang ergebnislos und hilflos zu spielen suchten. Immer und immer wieder. Ja, sie haben den Ball aufgenommen. Aber nein. Sie haben nicht ermöglicht. Und schon gar nicht, mir zum persönlichen Gefallen. „Dein Projekt“ wurde doch befördert, heißt es nun kopfschüttelnd und ratlos ob meiner Konsequenz, die ich m Ende zog. Es stecken viele systematische Irrtümer in solchen Sätzen.

Entdecke den Fehler!

Es geht nicht um MEIN Projekt.

Es geht auch nicht um mich! Es ging vielmehr um einen Versuch des wissenschaftlich belegbaren Neunanfangs. Nach monatelangem, erzürnendem, erschöpfenden, Existenzen gefährdenden Stillstandes. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieser sollte doch eigentlich im Interesse eines ganzen Landes sein, oder? Wie egal ist es da, wer, wann, was beförderte hat? Oder anders gefragt: Wie traurig ist es, dass ein solches Vorhaben in einer solchen Zeit in diesem Land überhaupt über Parteilinien und Eitelkeitsfronten verfochten werden muss? Wer also ist hier auf dem Holzweg? Wo bitte gehts um die Sache? Hier leider nur wenig. Es ging darum, wer am Ende den Sieg davontragen wird. Wenn es denn einer würde. Und darum, dass dies dann nicht der Falsche ist.

Nun ist klar: Es hat niemand gewonnen. Das Projekt ist tot. Die Erkenntnisse daraus interessieren nur wenig und werden dem verlässlichen Vernehmen nach in dem einen oder anderen Ministerium schon vorab in Frage gestellt. Ein Schelm, wer da an Hybris denkt. Gefragt hat jedenfalls während der gesamten drei Wochen niemand, wie es denn so läuft. Bundestagsabgeordnete redeten derweil von „Jugend forscht“. Das der Bund das Projekt schließlich voll Unwissenheit mit einem Federstrich pauschal mit wegbügeln konnte, ist dabei auch mit den Stimmen „meiner“ Partei geschehen. Was natürlich (eigentlich auch wie immer) von der Landespartei aufs massivste bedauert wurde. Gerade so, als wäre der Berliner Verein ein ganz anderer als der hiesige. Ein Phänomen, das Politik im übrigen gerne verwendet, wenn man Zuhause Berliner Entscheidungen zu verarbeiten hat. Die man mit traf, die aber zuhause niemandem schmecken. So geht Glaubwürdigkeit? Der, der dies benennt, ist „schwierig“, „nicht teamfähig“. Zack. Problem personalisiert. Einer schuld. Alles gut. Alles gut? Nein. Überhaupt nicht. Und bevor der Chor wieder das Lied vom beleidigten Bürgermeister anstimmt. Das ist er nicht. Maximal bestärkt in der Richtigkeit des Weges. Sauer? Nichtmal das. Eher außerordentlich traurig. Denn wir haben kein Ergebnis. Und selbst wenn unsere Zahlen dann von der Uni ausgewertet auf dem Tisch liegen (so diesen denn ausreichen). Selbst dann wird dies nichts verändern. Inzidenz 100. Vom Bund bestimmt. Für alle. Was nützt es wenn man da belegen kann, dass man auch weit darüber sicher operieren kann? Wen interessiert es, wenn man sehen kann, dass durch die hohe Testbereitschaft zwischenzeitlich die Inzidenz auf 130 Punkte abschmierte. Bevor sie dann wieder auf über 300 kletterte. Weil ohne Anreiz eben weniger menschen testen gehen. Ich höre jetzt schon die Rufe derer, die es beendet haben, dass diese Datenbasis viel zu schmal ist, große Schlüsse daraus zu ziehen. Und bis wir dies dann ausgefochten haben, ist Sommer. Die Zahlen sinken dann von ganz allein. Und wenn im Herbst eine neue Welle anrollt, weil wir vielleicht noch immer nicht durchgeimpft sind. Oder weil – Gott möge es verhindern – die ersten Escapes zuschlagen. Dann werden wir wie im letzten Herbst die Frage stellen, was wir den lieben langen Sommer so getan haben, um das Problem zu lösen.

Wir haben nun neu beantragt. In alle Himmelsrichtungen. Weil es inzwischen viele Leute gibt die darüber befinden, ob ein Projekt ein Projekt sein darf, oder nicht. Ob und wann wir vielleicht weitermachen können, ist offen. Ebenso offen wie die Finanzierung, die wir bereits im März beantragt und eigentlich auch zugesagt bekommen haben. Alles von allen gewollt? Alles ermöglicht mit voller Kraft? Ein jeder mag sich selbst ein Bild machen.

Wir hätten lernen können. Wir hätten die Augustusburger Erfahrungen ausrollen können. Zum einfachen Nachmachen. Während andere Modelle zwischenzeitlich andere Wege hätten testen können. So, wie wir es jetzt tun wollen. Mit der Integration eines digitalen Nachweises für Gesundete und Geimpfte, der denen die Tests ersparen kann. Oder die Öffnung des Projektes für den Sport und die Vereine, um an dieser Stelle weiter zu kommen und auch hier einen #neustart zu versuchen.

So aber wird es nur ein Windhundrennen, welche zwei Städte pro Landkreis öffnen dürfen. Mehr leider nicht. Aber das kennen wir Kommunen ja bereits. Vom Rennen um die Fördermittel. Da ist es beinahe genau so.

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