Während andernorts Menschen stundenlang mit ungewissem Ausgang schlangestehen müssen, um vielleicht eine Impfung zu erhalten, haben wir eine Terminvergabe organisiert. Und im ersten Durchlauf hat dies nun auch ganz wunderbar funktioniert. Gemeinsam mit den Maltesern (großes Lob an das Team, das bei uns vor Ort war) haben wir zwei Tage so durchgeplant, das kaum Wartezeiten entstanden. Niemand, der stundenlang umsonst anstand. Alles im grünen Bereich. Schade, dass dies nicht generell Standard ist. Dass Terminvergabe und Organisation solcher mobilen Impfeinsätze im Groben steckenbleiben. Und eine Vorplanung dem Zufall überlassen bleibt. Nämlich der Frage, ob sich vor Ort jemand findet, der mit den Leuten Termine vereinbart, oder nicht. Digitale Möglichkeiten gibt es ja genug. Telefone eigentlich auch. Und Zeit war ebenfalls ausreichend vorhanden, solche Tools zu aktivieren. Doch in Deutschland 2021 hantieren wir mit Warteschlangen und Zustimmungszetteln. In Zeiten, da die Pandemie wie eine Walze übers Land rollt. Und wir jeden brauchen können, der sich impfen lässt.

Keine Ahnung, warum wir das nicht anders hinbekommen. Oder doch? Fakt ist: Ein Grund ist wohl, dass wir im Sommer nichts getan haben, um uns auf den Winter vorzubereiten. Lange warnten die Fachleute. Doch Politik wollte die Bundestagswahl nicht mit derartiger Thematik gefährden. Und so rollte der Schlafwagenzug mit Vollgas auf dem Abgrund zu. Ergebnis bekannt. Auch wir Kommunen haben immer wieder nachgefragt, wie denn eine Strategie für den Herbst aussehen könnte. Speziell wir hier in Augustusburg bemühten uns intensiv um Antwort. Seit April 21! Doch außer Allgemeinplätzen kam da nichts. Briefe an die Staatskanzlei und die Fraktionschefs des Landtages blieben weitgehend ohne konkrete Antworten. Wenn etwas kam, dann folgte es dem Tenor: Wir machen das schon… Dabei hatten wir durch das Modellprojekt im Frühjahr wertvolle Erfahrungen gesammelt, wie man Pandemie mit Hilfe von Tests und AHA gut im Griff behalten kann. Mit Akzeptanz der Bevölkerung und einem klugen digitalen System für Tests und CheckIn. Die Uni Mainz, die das Projekt evaluierte, stellte uns gute Noten aus. Bessere, als dem zeitgleich hantierenden Tübingen. Doch die Erkenntnisse interessierten Niemanden. Eine Fortsetzung des Projektes, nämlich die Erweiterung des Wirkungsfeldes über die Stadtgrenzen hinaus, wurde fadenscheinig abgesagt. Dabei wäre exakt dies der nächste Schritte gewesen. Sehen, ob ein 5000er-Test auch bei 50.000 funktioniert. Man wollte es nicht.

Heute sagt die zuständige Politik, dass unsere Ergebnisse nicht flächendeckend anwendbar seien. Woher sie das weiß, weiß ich nicht. Diskutiert hat dies weder jemand mit uns noch mit jenen, die das Projekt untersuchten. Merkwürdig. Und nicht einmal das wäre der Punkt. Längst haben wir das System weiterentwickelt, könnten die Testungen aus den Schulen herausholen, digitale Checks möglich machen und auch bei Kids eine voll digitale Kontaktnachverfolgung umsetzen. 2 Stunden Unterricht pro Klasse und Woche in der Grundschule, die wir derzeit dem Testen opfern. Papierkram der Lehrer nicht mitgerechnet. In Zeiten, in denen wir eigentlich aufholen wollen. Könnten wir morgen abschaffen! Alles da. Alles fertig. Aber leider auch alles umsonst. Denn wir dürfen das nicht einfach machen. Schule ist nicht kommunal. Und geld wächst nicht auf den Bäumen. So stolpern wir weiter mit analogen Instrumenten in den nächsten Winter. Der zur Katastrophe werden könnte, weil wir kollektiv versagen. Die Politik, die solche Chancen liegen lässt. Aus Eitelkeit. Aus technologischer Ahnungslosigkeit. Aus politischem Kalkül. Und die Menschen, weil sie nicht einsehen wollen, dass eine Pandemiebekämpfung uns alle braucht. In jedem Moment. An jedem Ort. Mit allen Mitteln. Und der Erkenntnis, dass es nicht nur und immer um einen selbst geht. Und darum, die Verantwortung an irgendjemanden „da oben“ zu delegieren: Hey, ihr baut die Betten ab. Ihr seid schuld. Stimmt auch, will man da rufen. Aber es nimmt Dich nicht aus der Verantwortung, deinen Teil zur Lösung beizutragen.

Nein. Es ist nicht die Mehrheit. Es ist eine Minderheit, die so agiert. Aber genug, um das Drama zu befeuern.

Bitter.

Nun organisieren wir Booster-Impfungen, die viel zu spät starteten. Ebenso, wie 3G am Arbeitsplatz viel zu spät verordnet wurde. Schauen wir mal nach Frankreich. Dort handelte man im Sommer. Bei uns im November, da die vierte Welle bereits mit voller Wucht rollte. Bevölkerung verunsichert. Impfgegner unnötig gestärkt. Kein klarer Kurs. Keine wirklichen Ansagen. Statt dessen Ausschlüsse aller möglicher Zumutungen. Kein Logdown mehr. Keine Impfpflicht. Zu Zeitpunkten an denen man schon ahnen konnte, dass ein Ausschluss all dieser Instrumente alles andere klug ist. Und jetzt?

Wer der Politik nicht mehr traut, wer dem System nicht vertraut, der traut auch Wissenschaft und Medizin nicht mehr. Statt um Vertrauen zu werben, Konzepte zu entwerfen, mit den Kommunen gemeinsam Menschen zurückzugewinnen, verstärkten wir den Druck. Kostenpflichtige Tests, was auf dem Land über Nacht die Testinfrastruktur ausdünnte. Und uns blind machte für die Entwicklung der schleichenden Infektionen. Dann 2 G, was einer Quasi-Impfpflicht gleichkam. Wir aber sagten: Du musst ja trotzdem nicht. Aber wenn nicht, dann bist du weitestgehend raus. Als Freund des Impfens und als inzwischen genervter Leidtragender der Impfignoranz weiter Teile der Gesellschaft muss ich an dieser Stelle dennoch sagen: Das kann man so nicht machen. Dann muss man die Kraft haben zu fordern, was man wirklich möchte. Das wäre ehrlich gewesen. Das hatte eine Mehrheit in der Bevölkerung. Statt dessen beflügelte genau dieser Spagat den so genannten Widerstand. Jetzt erst Recht nicht, hörte man aller Orten jene rufen, die sich schließlich in ihrer Skepsis noch bestätigt sahen. Epochale Fehler. Mit epochalen Folgen.

Es wird Zeit, die Politik zu ändern. Sonst verändert sie die geschaffene Realität. Wir brauchen klare Strategien, verständliche Kommunikation, gute Lösungen und vor allem den Willen, Vertrauen zurückzugewinnen. Statt weiter Fronten aufzubauen. Und es braucht den Mut, Demokratie wirklich zu leben. Und das bedeutet auch, Mehrheitspositionen klar zu vertreten. Und die Mehrheit in diesem Land möchte, dass die Pandemie mit allen Mitteln bekämpft wird.

Das kleine Augustusburg plant nun die nächsten Impftage. Am 2o. und 21.12.. Erneut mit einer Hotline. Und mit einem Online-Buchungstool, bei dem man bequem digital buchen kann. Beides startet in der 49.KW. Ihr werdet es rechtzeitig erfahren.

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