Morgen (Dienstag) wird der Stadtrat darüber entscheiden, was aus unserem Stadthaus werden soll. Genauer gesagt wurde dies bereits entschieden und wir arbeiten nun an der Timeline für die Umsetzung des alten Planes. Und so wie es aussieht, wird sich der Rat nicht dazu durchringen, die damals gefällte Entscheidung zu revidieren, hier die Touristinformation, das Standesamt und zwei Vereinsräume einzurichten. Natürlich werde ich mich dem Mehrheitsvotum beugen, wie es sich in einer Demokratie gehört. Das versteht sich von selbst. Auch wenn ich weiterhin große Zweifel daran habe, dass dies der richtige Weg ist.

Lange haben wir debattiert und immer wieder habe ich versucht, die Gegenargumente zu verdeutlichen. Und auch wenn ich es mir sehr wünsche: Ich denke nicht, dass wegen einer Touristinformation im Zeitalter von Smartphone und Co die Menschen extra den Weg in die Altstadt finden werden. Ich hätte diese lieber gern an den Orten platziert, an denen die Gäste ankommen. Und dies sind im wesentlichen die Parkplätze der Stadt. Dies vor allem, weil wir größtenteils Tagesbesucher haben, die man an dieser Stelle vielleicht noch spontan zu einer Aktivität bewegen oder auf etwas aufmerksam machen kann, wenn man sich dort präsentiert. Wer bis in die Altstadt gekommen ist, der hat meist das Schloß als Ziel und wird sich hier nur wenig bewegen lassen, andere Dinge zu finden. Es ist eben ein Unterschied, ob ich an einem Ort mehrere Tage verbringe wie im Urlaub, oder ob ich einen Nachmittagsausflug mache.

Und – Auch wenn Vereine die Räume nun nutzen, so werden es zumeist jene sein, die bisher im Rathaus oder in anderen Räumlichkeiten proben, reden, sich beraten. Ob daraus eine Belebung der Stadt werden wird, ohne das an anderen Orten etwas wegfällt, bleibt abzuwarten. Es geht dabei nicht darum, ob ich den Vereinen dies nicht „gönnen möchte“, wie ich es neulich mal gehört habe. Ich denke dabei vor allem an die Kollegen  der Gastronomie, die auf diesem Weg vielleicht noch die eine oder andere Runde verlieren.

Nach wie vor bin ich überzeugt, man muss Menschen über Inhalte bewegen, interessieren. Alleinstellung ist das Zauberwort. Warum sollte jemand nach Augustusburg kommen? Diese Frage ist jeden Tag zu beantworten, denn wir stehen im Wettbewerb mit zwei Millionen Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen.  Wenn man diese Antworten hat, kann man diese in einer Touristinformation verkünden. Das wäre die Reihenfolge der Aufgaben. Zumindest aus meinem Blickwinkel. Deshalb hätte ich gern das Thema TI erst im kommenden Jahr und dann an anderer Stelle begonnen. Nun kommt es anders.

Unsere TI ist derzeit nur wenig frequentiert. Das hat auch damit zu tun, dass wir am Wochenende schließen müssen, weil wir weder Mittel noch ausreichend Personal haben, für die Gäste da zu sein. Wir werden also Ideen entwickeln müssen, wie wir diese Lücke schließen. Und dies muss finanziert werden. Das kann die Stadt alleine nicht leisten und wir müssen mit denen reden, die vom Tourismus partizipieren. Gemeinsam müssen wir einen Weg finden, diese Hürde zu nehmen. Denn sonst haben wir eine TI inmitten der Stadt die immer dann schließt, wenn die meisten Gäste da sind.

Wir werden nun versuchen, eines der Welterbe-Infozentren in die Stadt zu bekommen. Für den Fall, dass die Montanregion Erzgebirge im kommenden Jahr den Welterbetitel erhält – ein Ziel, für das wir sehr intensiv werben – würde der Schloßbrunnen eine Welterbestätte. Wenn wir dann eine umfassende Präsentation der Region mit modernsten Mitteln entwickeln würden, könnte dies beides ein Grund sein, die Altstadt zu besuchen. Und eine zusätzliche Aufgabe für eine TI zu schaffen, die hier durch Vermittlung von Angeboten auch einen Deckungsbeitrag erwirtschaften könnte.

Stadtratsitzung 16.6., 19 Uhr, Grundschule Erdmannsdorf

 

 

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