Wir dachten, wir tun etwas Gutes. Der Neubau der Straße am Friedhof in Augustusburg soll den Eingang in unsere Stadt verschönern und entgegen der Trekking-Strecke, die zuvor eher an Pfade in den Alpen erinnerte, einen freundlichen Zugang zur Stadt gewährleisten. Nun, da die Baumaßnahme nicht einmal fertiggestellt ist, wird bereits heiß diskutiert, was „die“ sich (also wir hier im Rathaus) da bloß wieder ausgedacht haben. Nun: Ja, wir haben uns etwas ausgedacht. Wir haben dies mit den zuständigen Gremien der Stadt diskutiert und beschlossen. Und ja, alles dort hat seine Begründung. Und doch ist wieder alles falsch. Ein nicht ganz ernst zu nehmender Projektblick. Wer Satire nicht mag oder verträgt, sollte jetzt auf das kleine Kreuz im oberen Eck seines Browserfensters klicken.

Ja, die Straße am Friedhof war schön. Ordentlicher, grobsteiniger Schotter auf Buckelpistenniveau schloß an die nicht mehr taufrische Friedhofsmauer an und umsäumte Bäume, die wiederum eine nicht mehr ganz ernst zu nehmende Rudimentärpiste beschatteten. Das war, was Besucher unserer Stadt als erstes zu sehen bekamen, wenn sie sich vom Parkplatz aus auf den Weg machten, um zum Schloss zu laufen. Botschaft: Wer hier hoch will, muss es verdient haben. Wenn jene Gäste zuvor am dort schon lange Jahre platzierten Bussteig ankamen, dann konnte es sein, dass der Weg zur Sehenswürdigkeit schmerzenden Fußes erfolgen musste, weil man beim Verlassen des Busses schon mal in einem der Straßenkrater verschwinden konnte, die sich meist direkt unterm Ausstieg den Touristenfüßen entgegen reckten (Murphy ist eben überall). Mancher soll unbestätigten Berichten zufolge dort vergessen worden sein. Aber das ist wirklich mal ausnahmsweise tatsächlich wirklich nur ein Gerücht.  So war es jahrelang. Nicht eben das, was man eine Visitenkarte nannte. Alle störte dies. Da war man sich mal einig, was einen eher seltenen Umstand beschreibt.

Als wir das Thema angingen, besichtigten wir das Abenteuerareal. Ein Planungsbüro hatte sich zuvor Gedanken gemacht, wie man dies wohl gestalten könnte. Ja, wir bauen mit einem Plan. Echt. Denkt man nicht, ist aber so, denn wir haben keinen blassen Schimmer, wie das sonst gehen sollte.  Dieser Plan kam zu den folgenden Schlüssen:

  1. Der bisherige Schotterweg wird nicht beseitigt, sondern als Grünfläche aufgefüllt. Warum? Weil man sich nicht so sicher war, ob die Friedhofsmauer einen Tiefbauangriff mit Bagger und Rüttelplatte (notwendig für einen Fußwegbau) unmittelbar am eigenen Fuße überstehen würde. Und auch, weil das Wurzelwerk der dort befindlichen Bäume einem solchen Eingriff ebenfalls mit äußerstem Missfallen begegnet wären. Da Bäume ohne Wurzeln die Neigung ausprägen zu sterben, hätten wir also jene ebenfalls beseitigen müssen.
  2. Der bisherige Straßenrand erhält einen Fußweg 1,20 breit. Sicher nicht üppig, aber mehr, als es vorher gab und für die meisten denkbaren Anwendungen inklusive Rollstuhl und Rollator nutzbar. Angeschlossen an den Fußweg folgt eine Parkspur für Besucher des Friedhofes, die außerhalb der Öffnungszeiten von Anwohnern genutzt werden können.
  3. Der verbleibende Rest wird eine Einbahnstraße, die bergein gespurt wird, weil ansonsten die Busse den ebenfalls generalüberholten Bussteig nicht anders verlassen können. Warum? Weil die einzige Möglichkeit dann die Durchfahrt durch die Tankstelle wäre, was aber planungsseitig verboten ist. Ist die Tankstelle doch ein Privatgelände.

Was für uns uns die zuständigen Stadträte und uns naivem Haufen aus dem Ratloshaus logisch erschien, wird nun knallhart als planlos entlarvt. Fußweg viel zu schmal, Bäume müssen weg, (Die machen ja nur Laub und sind sonst zu nichts zu gebrauchen. Weit verbreiteter Wunsch im übrigen überall in unserer Stadt. Macht ja auch Sinn, so auf dem Land. Wer braucht schon Bäume.) Parkplätze müssen her und die Einbahnstraße muss wenn überhaupt dann nach unten zeigen. Die wissen auch nix da oben.

 

Nunja. Spielen wir das mal durch:

 

Variante 1: Wir bauen den Fußweg breiter, reißen die Bäume raus und nehmen in Kauf, dass es die Friedhofsmauer auf Grund der Baueingriffe vorzieht, ihre nähere Zukunft als Geröllhaufen verbringen zu wollen, was eine kostenpflichtige Wiederherstellung der selbigen nach sich zöge. Ergebnis im Publikumsjoker: Wozu brauchen wir einen so breiten Fußweg? Warum nimmt man uns das letzte Grün? (alles machen die kaputt) Alles nur für Parkplätze! Jetzt ist die schöne Mauer auch noch hin! (und das Projekt wird ein paar Tausender teurer als geplant) Die können nicht rechnen. Muss das sein? Kann man das nicht anders machen? Muss man doch wissen, sowas. Was machen die eigentlich den ganzen Tag? (Der Autor: Unseren Namen tanzen, klatschen und singen) Schlussfolgerung: Die spinnen im Rathaus (…ich sagte klatschen und singen. Spinnen ist Handwerk).

Variante 2: Wir bauen alles wie geplant, drehen aber dabei die Richtung der Einbahnstraße herum. Da wir dann mit den Bussen nicht mehr ausfahren können, schaffen wir den Parkplatz dort ab. Ersatzlos, denn wir haben keine wirkliche Alternative. Hauptsache, es kann dort keiner mehr hochrasen, wenn er den Augustusburger Stau umfahren will. Und Touristen kommen ja sowieso keine mehr. Brauch man auch keinen Bussteig.  Man könnte natürlich auch die Tankstelle abreißen, was aber weitere Debatten auslösen und  auch am Stammtisch keine Mehrheit finden würde. Aber dann kämen die Busse wenigstens wieder rum. Achja. Die kommen ja sowieso nicht mehr. Kann die Tanke bleiben. Ist aber auch echt kompliziert (langsam muss ich mir Notizen machen, ist auch so laut hier mit dem ganzen Getanze und Gesinge) Ergebnis: Fußweg zu schmal! Alles nur für Parkplätze, die die Touristen vollstellen! Die Bäume machen eh nur Laub! Weghauen und Parkplätze bauen! Jetzt kommen auch keine Busse mehr. Alles machen die kaputt. ->  Die spinnen im Rathaus.

Variante 3: Wir reißen die Bäume aus, asphaltieren alles und parken alles in Fischgräte zu. Dann haben wir keinen Fußweg, keinen Baum mehr (was Schattenparker echt benachteiligt) und eben das Risiko der potenziellen Schutthalde „formally known as Friedhofsmauer“.  Hier bräuchten wir keinen Fußweg,  weil dann auch kein Bus mehr dort parken kann, der solche bringen würde. Der Rest versucht über die Straße sein Glück, was von rückwärts ausparkenden Blechkarossen durchkreuzt werden kann. Und vom Durchgangsverkehr (aus welcher Richtung auch immer), den wir dann folgerichtig total unterbinden müssten. Ergebnis: Wieder kein Fußweg! Alles nur für Parkplätze, die die Touristen vollstellen! Wo sind unsere schönen Bäume? Jetzt kommen auch keine Busse mehr -> (Sie ahnen es:) Die spinnen im Rathaus.

Variante 4: Jene, die eine andere Idee haben kommen in die öffentlichen Sitzungen der Fachausschüsse oder des Rates (nein, nicht Klatschen und Singen), stellen dort ihre Fragen oder bringen sich dort mit ein.  Alternativ kann man auch im Rathaus anrufen und um einen Termin bitten, dem wir meistens nachkommen. Und das auch noch gern. Dann hat man die Chance zu wissen, warum wir aus dem Ratloshaus in unserem Singkurs die eine oder andere Idee entwickelt haben. Und weiß auch, worüber man redet. Hat man eine gute Idee, findet diese vielleicht sogar Einzug und wir werden besser. Vielleicht liest man es auch im Amtsblatt, der Freien Presse oder im Internet, wo wir unsere Projekte meistens verstecken. Wenn nicht, bauen wir wie geplant und schaffen einen freundlichen, grünen Eingang zur Stadt. Mit Bäumen, Parkplätzen einer Fahrspur, die nicht zum Rasen einlädt. Mit einem funktionierenden Busparkplatz und ein paar Bänken, auf denen man dort rasten könnte.

Sie haben Recht. Wir spinnen im Rathaus.

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