Wir müssen reden!

955 Menschen meiner Stadt haben heute AfD und NPD gewählt. Das sind gut ein Drittel der gültigen Stimmen insgesamt. Ein trauriger Abend, 28 Jahre nach dem Mauerfall. Um es vorweg zu sagen: Ich verurteile niemanden davon. Jedenfalls nicht pauschal, denn ich weiß, dass wir tatsächlich Menschen unter uns haben, die rechtsradikal sind. Punkt. Dies kann ich aus eigenem Erleben sagen. Dennoch aber verurteile ich eben nicht pauschal  alle und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eben 955 Menschen meiner Stadt als Radikale zu bezeichnen wären. Und ich bin zudem diese nie enden wollende Debatte leid, Parteien in demokratisch und nicht demokratisch zu unterscheiden, wenn diese doch alle aus einer freien und demokratischen Wahl hervorgegangen sind. Und diese Wahl war eine solche. Vielmehr also sehe ich Protest als Hintergrund der Entscheidung vieler Bürger. Protest gegen etwas, was ich gefühlte Zweitklassigkeit nenne. Gepaart mit dem Gefühl, nichts bewegen zu können, ohnmächtig etwas ausgeliefert zu sein. Protest, den ich nicht teile. Auch, wenn ich dessen Wurzeln verstehe. Doch was ist dran an diesem Gefühl? Und warum kann man darüber in unseren Breiten offenbar nicht reden? Warum muss es ein Protest sein, der sich am Ende als Bumerang erweisen kann?

Ich habe es heute in den facebook-Debatten schon einmal geschrieben: Nehme ich diese 955 Menschen als Referenz für Unzufriedenheit, so kennen ich von jenen vielleicht 40 oder 50. Das sind jene, die im Laufe eines Jahres per Mail, Brief oder Besuch im Rathaus, einem zufälligen Treffen auf der Straße ihrem Unmut Luft machen. Und ich nehme für mich in Anspruch, dass ich all jenen offen und mit Tat entgegen trete. Auch, wenn ich am Ende manchmal erklären muss, warum ich nicht helfen kann oder eine Sache eben nicht geht. Denn nicht jeder Wunsch ist auch erfüllbar. Das sollten wir verstanden haben. Aber zurück zu dieser geringen Zahl. Sicher bin ich nicht der erste Ansprechpartner für grundlegende Fragen. Aber von den Abgeordneten, die dafür ja da sind weiß ich, dass es bei denen in den Büros nicht wesentlich mehr kritische Bürgerkontakte gibt. Dort aber gehörten diese ja eigentlich hin. Wo aber sind diese Menschen? Warum gehen sie nicht dorthin? Weil sie enttäuscht sind? Aber das könnten sie doch bitte nur dann sein, wenn sie mal dort waren und ihnen niemand zugehört hat. Stellt sich also die Frage, warum das so ist und dieser wichtige Diskurs eben oft nicht zustande kommt? Die Antwort ist einfach. Die Kanäle sind gestört. Und dies auf beiden Seiten.

Natürlich ist es richtig, dass 28 Jahre nach der Wende hier nicht dieselben Lebensbedingungen herrschen, wie in weiten Teilen der alten Bundesländer. Das ist nicht wegzudiskutieren. Aber dies liegt nicht unbedingt nur daran, das Politik versagt hat. Auch wenn diese Fehler macht. Wie wir alle. Das ist ein Teil der Wahrheit. Nein. Das liegt auch daran, dass wir es noch immer nicht gelernt haben, das Demokratie vom Mitmachen lebt und das Bürger sein auch bedeutet, mitzutun. Seien wir ehrlich. Viel zu oft ballen wir noch immer die Faust in der Tasche. Zuhause, wo es nur die Vertrauten sehen. Bringen wir uns ein? Nein. Ein Diskurs beim Bier vor der Garage. Mehr wird daraus meistens nicht. Einbringen im Sinne von etwas tun? Selten bis nie. Viele von denen, die sich über Dinge beklagen, die sie stören, tragen sie nicht dahin, wo diese hingehören und arbeiten auch an einer möglichen Lösung nicht mit. Doch wer sich nicht einbringt, darf eben nicht erwarten, sich im Ganzen wiederzufinden. Und in erster Linie hat jeder Verantwortung für sich selbst und sein Umfeld, das er gestalten kann. Viele haben in den Jahrzehnten des Umbruches viel Negatives erleben und ja, auch erleiden müssen. Das alles prägt. Doch wir vergessen dabei ein wenig, wo wir herkommen, was hier mal war. Das hier ein System im wahrsten Sinne des Wortes abgewirtschaftet hatte. Und auch dieses System war von Menschen gemacht und unterstützt. Wir vergessen, wie tief wir schon im Nichts standen und das es uns viel schlechter ergangen wäre, wäre die Mauer nicht gefallen. Wir übersehen, das Freiheit ein Wert ist, auch wenn wir diese nunmehr jeden Tag nutzen. In Meinung, im Tun und bei der Entdeckung der Welt. Bis hin zur Möglichkeit, eine Wahl zu haben. Was großartig ist und gerade heute sichtbar, auch wenn es im Ergebnis mich betroffen macht. Und wir übersehen, was bereits geschafft wurde. Und das ist eine Menge. Und wenn wir über den Tellerrand schauen, dann sollten wir erkennen, dass wir in einem der friedlichsten, sichersten und wohlhabendsten Länder dieser Erde leben. Und erkennen, dass uns gerade die großen Gewinner dieser Wahl dazu auffordern, die Schwachen gegen noch Schwächere zu hetzen. Das ist auch Wahrheit.

Und die eine Seite der Medaille.

Die andere ist jene Seite der Politik. Ja, oft abgehoben, distanziert. Ein eigener, um sich selbst kreisender Orbit. Doch auch hier ist die Pauschalisierung ebenso falsch. Auch hier gibt es sehr viele Abgeordnete, die sich jeden Tag bemühen, das Beste zu erreichen. Und dabei eben auch oft an Mehrheitsverhältnissen und einer unglaublichen Komplexität unserer Welt scheitern. Auch ich erlebe das jeden Tag. Auch ich denke manchmal, dass wir einfache Dinge inzwischen derart verkompliziert haben, dass man verrückt werden möchte. Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede. Aber auch hier kann man Wege finden, Interessen durchsetzen. Das zeigen wir ebenfalls beinahe jeden Tag. Auch hier kann man verändern. Ja, dies könnte, dies müsste oftmals einfacher sein. Wir müssen wieder einfachere Wege finden, Mut haben, Dinge zuzulassen und zu entscheiden. Klingt einfach, ist aber sehr schwer.

Wir müssen – und damit meine ich auch und besonders meine SPD – grundlegend Dinge anders tun. Wir müssen und wieder mehr darauf besinnen, wofür wir stehen. Wir müssen erreichbarer sein, dichter dran als andere. Wir müssen ehrlich und offen sein, müssen mehr erklären und klare Kante zeigen. Auch und vor allem gegen Rechtsaußen. Denn die Höckes und Gaulands dieser Welt dürfen nicht mit platten, geschichtsvergessenen Parolen erfolgreich auf Menschenjagd gehen. Das darf nicht sein. Und wir müssen begreifen, dass wir eine Menge falsch machen, wenn wir Menschen an eben diese Gruppierung verlieren, die in ihrem Programm nackten Kapitalismus fordert, keine Lösungen hat und das Ganze nach außen als die Rettung der Welt verkaufen kann.  Das auch unsere Partei eine halbe Million Menschen an jene, teils rechtsradikale Partei verloren hat, muss uns zum grundlegenden Nachdenken bewegen. Klartext ist gefragt. Nicht Raute. Auch, wenn dies gerade sehr schwer ist. Deshalb ist der erste richtige Schritt, sich aus der GROKO zu verabschieden und stattdessen die Oppositionsführung zu übernehmen. Bevor dies Herr Gauland tun kann.

Wie also lösen wir das nun auf? Im Protest? Nein! Jedenfalls nicht alleinig. Denn ein reines Dagegen macht keine Zukunft. Die wird daraus gemacht, das man für etwas ist. Und dafür auch einen Weg hat, der gangbar ist. Und wenn es diesen nicht gibt, einen neuen Weg macht. Sonst ist es nur Polemik. Nichts weiter. Fordern kann ich auch alles. Wenn ich keinen Weg finde, dies auch zu machen, bleibt es ein enttäuschter Gedanke. Und ein unerfüllter Wunsch. Wer also unzufrieden ist, der muss sich einbringen. Und dies bitte sachlich, den auch das gehört zu dieser traurigen Wahrheit dazu: Der Umgang miteinander – gerade im Konflikt – ist derzeit traurig, seltenst korrekt und verhindert eine Miteinander. Doch wir können dies alles nur miteinander klären. Und wir müssen akzeptieren, dass es neben der unseren auch noch eine andere Meinung geben kann. Verständnis ist das Schlüsselwort. Und zwar beidseitig. Und vor allem müssen wir erkennen, dass Radikale gleich welcher Art zwar zum System gehören, dieses aber eben auch gefährden. Radikale leben davon, anderen Freiräume zu nehmen, diese einzuschränken und zu bestimmen. Und dies können wir nicht wollen. Gerade, weil wir dies in unserem Land mehrfach erleben mussten. Wer ein Ende dieses Erinnerns fordert, der schadet diesem Land schneller, als ein erfolgsbesoffener Wahlabend zuende ist.

Es ist ein trauriger Tag heute. Aber er zeigt uns auch, dass wir alle etwas zu lernen haben.

 

 

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11 Kommentare

  1. JA, es ist ein sehr trauriger Tag !
    Endlich , nachdem ich jetzt lesen konnte, weiß ich, dass ich selbst an diesen Ergebnissen Schuld trage.
    In diesem Sinn
    Gute Nacht und träumt weiter.

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      Genau das sollte der Text eben nicht sagen. Sondern vielmehr, dass viel schief gegangen ist. Aber zur Differenzierung gehört, dass man alle Seiten beleuchtet. Und wer sich dieser offenen Diskussion verweigert, der ist leider nicht besser als das, was er anprangert. Ich schrieb davon, dass ich Niemanden verurteile, dass ich eine demokratische Wahl anerkenne und das ich schwere Fehler auf politischer Seite anerkenne. Wo ist Ihre Offenheit sich mit dem eigenen Beitrag auseinander zu setzen?

    1. Schade,ich hatte mir eine gute Stunde Zeit genommen und meine Meinung zum Wahlergebnis an dieser Stelle niedergeschrieben. Da ich nichts Anrüchiges an meinen Zeilen fand und mir auch mitgeteilt wurde, daß mein Beitrag nur noch auf die Veröffentlichungen wartet, war ich auch frohen Mutes. Leider scheint er nun doch in den unendlichen Weiten des cyberspace verlorengegangene zu sein, bedauerlich.
      Heiko Küchler

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      Lieber Heiko, ich war zehn Tage rumänisch offline. Brauchte ich mal. Die anderen Kommentare waren schneller zu beantworten. Deiner folgt noch. Keine Sorge. Ich will mir nur Zeit nehmen. Also alles gut.

  2. Sehr geehrter Herr Neubauer,
    Laß mich hierzu auch ein paar Gedanken niederschreiben, und vorab, ich möchte Dich weder angreifen noch schulmeistern oder gar beleidigen.
    Mich hat der Ausgang der Wahl nicht schockiert oder gar traurig gemacht, es ist lediglich das Ergebnis einer völlig verfehlten Politik gemacht von arroganten, selbstherrlichen Menschen, welche dem wahren Leben völlig entrückt sind. Wohlgemerkt wir reden von demokratisch gewählten Volksvertretern.
    Mit wem von diesen Pappnasen soll ich beginnen?
    Vielleicht mit Herrn Schulz, der der im Europaparlament unberechtigterweise Spesengelder kassiert hat oder mal schnell noch ein paar Leuten den einen oder anderen Posten zugeschoben hat?! Oder unseren Außenminister, der Bürger als Pack beschimpft, einen Bundespräsidenten für dem der Osten Dunkeldeutschland ist, einer Frau Kipping, für die mein Großvater, der in der Wehrmacht seinen Dienst getan hat, ein Mörder und Verbrecher ist, oder aber der Herr Bonusmeilen-Özdemir, eine Frau Roth, welche Berlin gehüllt in Türkischen Fahnen sehen will, ein Herr Maas dessen Sohn in der autonomen Szene aktiv ist und und und, die Liste könnte man wahrscheinlich endlos weiterführen. Was ich damit sagen will: Ein Großteil der Menschen hat einfach das Vertrauen in diese Demokratie verloren, weil es einfach nichts mit Volksherrschaft zu tun hat. Es wird über den Köpfen der Menschen hinwegregiert.
    Entscheidungen werden nur im Sinne des Großkapitals getroffen. (Hatten wir damals übrigens in Staatsbürgerkunde, wenn man nicht alles für Agitprob. abgetan hat, hat man‘s behalten: „Der Staat ist das Machtinstrument der jewals herrschenden Klasse“). Da fällt mir Dein Satz mit dem „abgewirtschafteten System“ ein, mag sein, daß Du damit recht hast, aber einer Bundesrepublik ging es zu diesem Zeitpunkt nicht besser, sie wäre ohne die Erschließung eines neuen Absatzmarktes genauso am Ende gewesen. Plötzlich gab es wieder 17000000 neue Konsumenten. Da gibt es übrigens ein schönes Zitat von Karl Marx: „mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“
    Und schon ist mir ein wunderbarer Übergang zur Flüchtlingskriese gelungen. War diese doch auch schon zu einer Industrie geworden und wer da nicht alles verdient hat, oder wollte, ich sage nur Township auf dem Nettofeld. Hatte sich Herr Buschbeck sicher nur aus rein humanitären Gründen mal darüber Gedanken gemacht. Oder geht es bei unseren neuen deutschen Mitbürgern vielleicht auch um die eine oder andere Million neuer Konsumenten in diesem Land? Auch auf die Gefahr hin, daß unser Leben immer unsicherer wird, weil Kulturen aufeinander stoßen die nicht zu vereinbaren sind. Ich sage da nur Stadtfest oder Zenti oder hier und da stolpert man in der letzten Zeit schon einmal über eine Leiche in Chemnitz. Und genau das ist es, was die Menschen nicht verstehen, was ein echter Einschnitt in deren Freiheit bedeutet. Wenn Frauen nachts nicht mehr allein durch die Stadt laufen können. Man bestohlen oder ausgeraubt wird. Das gab es halt auch nicht in der so verhaßten DDR, oder eben jetzt Dunkeldeutschland.
    Was ich eigentlich ausdrücken will, auch die neue Regierung, mag sie nun Jamaika oder Groko heißen, wird nichts nachhaltiges, wie zum Beispiel eine dringend notwendige Rentenreform auf den Weg bringen, denn den Mut zu einer Veränderung wird diese Regierung auch nicht haben, ich befürchte sogar Jamaika wird sich vorher auflösen. Wer will schon mit den Grünen regieren, welche nur Blödsinn daherreden. Gut da könnte das dann auch endlich mit dem legalen Drogenkonsum klappen, außerdem dürfen dann Gott sei Dank Geschwister auch Sex haben,(wurde wirklich langsam mal Zeit), war längst überfällig diese Entscheidung. Oder die FDP machtgierig und opportunistisch. Gleich am ersten Tag war‘s vorbei mit der „Obergrenze“, werden sicher knallharte Koalitionsgespräche.
    Aber egal, der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht, und einen gehörigen Riß hat er jetzt.
    Und ich denke, das ist gut so, vielleicht doch ein Ansporn für die neue Regierung ihre Sache mal verantwortungsvoll zu machen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Heiko Küchler

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    1. facebook-profile-picture

      Lieber Heiko, sorry, dass es gedauert hat. Ich war im Urlaub und dort ausnahmsweise mal offline, denn die letzten Monate (und Jahre) waren nicht ganz langweilig und ich brauchte einfach mal eine echte Pause. Nachdem ich nun erst einmal den Mailrückstand und viele Telefonate bezüglich des Themas hinter mich gebracht habe, nun die Zeit, auch deinen ausführlichen Kommentar entsprechend wahrzunehmen und darauf auch zu antworten. Ich hoffe, Du verstehst das. Ich habe überlegt, ob ich jeden einzelnen Punkt betrachten soll, was ich auch getan habe. Allerdings sind wir in unseren Ansichten so weit auseinander, dass ich eher grundsätzlich antworten möchte. Ja, es ist viel falsch gelaufen. Ja, es ist vieles anderes zu machen. Du weißt, dass ich zu denen gehöre, die das immer wieder kommentieren und ansprechen. Und ich bin dort auch niemandem verpflichtet. Außer denen, für die ich hier arbeiten darf und natürlich meinem Gewissen und meiner Überzeugung. Und diese hänge ich nicht in den Wind, wie es nun viele tun. Ja, wir haben zu tun, zu sprechen und zu ändern. Da sind wir uns einig. Doch wir dürfen dabei unsere Werte nicht vergessen. Ein schwieriger Spagat, kein Zweifel daran. Ich weiß, dass die Wende und alles was danach kam für viele hier mehrfache, teils schmerzhafte Brüche bedeutet hat. Und auch noch bedeutet. Ich lebe nicht auf dem Mond und ich habe mit vielen Leuten jeden Tag zu tun. Und auch ich möchte Dinge grundsätzlich anders. Auch ich möchte Sicherheit auf der Straße. Auch ich möchte, dass unsere Gesellschaft erhalten bleibt. Auch ich möchte, dass es die Unterschiede zwischen Ost und West bei Rente, Einkommen und Co. verschwinden. Soweit, so einig. Doch das Wie muss anders laufen. Bedeutet Sicherheit auf der Straße auch zugleich die Notwendigkeit, Asylrecht noch weiter einzuschränken, als es inzwischen ohnehin schon ist? Aber ist es alles? Oder ist es eher die Frage, ob wir die notwendigen Ressourcen und Voraussetzungen schaffen müssen, dies zu regeln? Unsere Landesregierung hat es vollbracht, Polizei und Co. bis an die Grenze der Machbarkeit zu führen. Weil man sparen wollte. Im Bund wurde nie ein vernünftiges Einwanderungsgesetz ernsthaft diskutiert. Eine Grundlage für eine vernünftige Zuwanderung, die wir auch wirklich brauchen. Das ist ein Fakt. Den kann man auch nicht einfach mal so wegwischen. Und man darf trotz allem nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die unsere Hilfe brauchen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Interessen dabei gewahrt bleiben. Das Staatsversagen liegt nicht in der Humanität. Es liegt vielmehr in der Unfähigkeit begründet, dies alles wirklich umzusetzen. Kommen wir zum Erhalt der Gesellschaft. Ja, viele Protagonisten der Politik haben in der vergangenen Jahren ihren Auftrag aus dem Auge verloren. Das ist leider wahr und durch nichts zu rechtfertigen. Doch es ist deshalb lange nicht so, dass man dies nicht in den Strukturen verändern kann, die da sind. Und glaub mir, ich verwende viel Zeit derzeit darauf, daran mitzuwirken. Hier geschehen mehr Wandlungen, als derzeit wahrgenommen werden. Und das begann bereits lange vor der Wahl. Doch Erhalt und Zusammenhalt brauchen nicht nur das. Sie brauchen auch die Bereitschaft der Leute, mitzutun. Schau Dich bei uns um. Was siehst Du da? Ich sehe mehr und mehr den Trend zum „die müssen das mal machen“. Die meint uns, also die Stadt. Doch wir sind nicht die Stadt. Wir sind die Stadtverwaltung. Die Stadt besteht aus ihren Bürgern. Und das bedeutet, dass WIR alle uns beteiligen müssen. Nicht nur irgendwelche DIE´s. Verstehst Du? Da beginnt es. Wenn wir gemeinsam tun würden, wir würden so viel erreichen können, was wir bei uns in den letzten Jahren ja auch bewiesen haben. Aber viele, die ständig kritisieren und nörgeln (ja, ich sage bewusst nörgeln) beteiligen sich nie. An keiner Diskussion, an keinem Forum, an keinem Stadtrat, keinem Arbeitseinsatz. An keiner Gremienarbeit, die die Grundlage von Veränderung ist. Sie kommen nie ins Rathaus, teilen sich nicht mit, schreiben nicht einmal eine Mail. Erwarten aber, dass man ihre Ideen und Gedanken berücksichtigt werden. Wenn wir von Gesellschaft reden und deren Erhalt, dann ist dies gefährlicher als alle anderen Einflüsse. Ich weiß, dies polarisiert, aber es gehört zur Wahrheit. Was mit uns geschieht, bestimmen wir trotz aller Einflüsse noch immer selbst. Und wir können das auch ändern. Nicht zuletzt mit einer Wahl, deren Ausgang ich akzeptiere. Ich gehöre hier nicht zu denen, die pauschal AfD-Wähler in irgendwelche Ecken stelle. Das tue ich nicht, habe ich nicht getan und halte ich zudem für falsch. Aber: Wenn man wirklich ändern will, muss man sich einbringen. Was im lokalen (und dies meine ich mit diesen Zeilen) noch einfach ist, ist auf Landes- oder Bundesebene weiß Gott nicht so einfach. Und ich kann Frust und Wut verstehen, weil ich diese in weiten Bereichen auch teile. Hier Änderungen herbeizuführen, bedarf aber guter Konzepte und einer diskussionsoffenen Stimmung. Und es verlangt nach Einsatz. Dann beginnt Veränderung im guten Sinne. Und diese erreicht man nicht durch Extreme, sondern durch Ausgleich. Nur so bekommt man mehrheitliche Bewegungen zu Stande. Durch Ausgleich und auch Kompromissfähigkeit. Das ist, was mich umtreibt. Extreme schließen Versöhnung und Kompromisse aus! Das führt leider weg von Freiheit und allem, was damit zu tun hat. Ich war gerade in der Ukraine. An der Grenze habe ich brutal in die Erinnerung zurückgerufen bekommen, was es bedeutet, einem Staat und seinen Bediensteten wirklich ausgeliefert zu sein. Das will ich hier nicht! Das kann nicht der Weg sein. Das können wir nicht wollen. Und bei aller Verklärtheit im Blick zurück. Ich hatte eine schöne Kindheit. Ich bekam eine gute Ausbildung. Als ich aber begann zu denken, diese anzuzwenden und zu verstehen, war es mit der Kuscheligkeit vorbei. Und auch hier gehört zur Wahrheit: Das System war am Ende. Millionen Menschen haben darüber abgestimmt. Mit den Füßen. Sie wollten Freiheit. Wir haben das aber inzwischen wohl vergessen. Ich jedenfalls teile diese sehr düstere Sicht nicht. Ich habe noch immer die Hoffnung, dass man Sachen bewegen kann. Wenn ich diesen Glauben ablegen würde, ich müsste morgen aufhören zu arbeiten. Und – weil es immer wieder mal in den aktuellen Diskussionen auftaucht: Es geht mir nicht um mich. Ich arbeite gern und ich versuche, so viel wie möglich für uns alle zu erreichen. Gelingt nicht immer, aber immer öfter. Aber ich habe die meiste Zeit meines Lebens andere Dinge getan. Und dies auch erfolgreich und mit Freude. Ich bin auch nicht in eine Partei eingetreten, weil ich aufsteigen möchte. Ich bin eingetreten, weil ich etwas verändern möchte. Und ich investiere sehr viel Kraft dort hinein. Auch, wenn es nicht belohnt wird, wie man am Beispiel von Veronika Bellmann sehen konnte. Diese Abgeordnete hat für die Region und auch für unsere Stadt so viel getan. Sie ist permanent unterwegs und hat auch mir und meinen Ideen mehr als einmal den nötigen Rückenwind verliehen. Eigentlich eine Abgeordnete, wie man sich diese wünscht, oder? Am Ende musste sie um ihr Mandat zittern. Abgestraft beinahe für jahrelange, sehr engagierte und auch streitbare Arbeit. Und das schreibt ein Sozi. Ist das richtig? Ist das differenziert? Ich meine, wir reden immer nur über jene, die vielleicht dies so nicht umsetzen. Aber es gibt eine Menge Menschen, die sich hier extrem einbringen. Und es gibt noch mehr davon, die innerhalb der Parteien nach Veränderung streben. Für uns alle. Politiker sind auch Menschen. Sie leben auch in diesem Land, haben Freunde, Nachbarn und Familien. Und ganz ehrlich? Sie sind auch gelegentlich frustriert. Weil man nämlich eigentlich bestrebt ist, das Beste zu erreichen. Sich einbringt mit viel Kraft und am Ende es vielleicht auch hinbekommt. Und dann kommen immer mindestens zwei, die alles besser, schneller und ganz anders gemacht hätten. Wenn man sie denn ließe. Ist kein jammern. Gehört auch zur Wahrheit. Ja, wir müssen etwas ändern. Wir müssen einfacher, schneller und gerechter werden. Wir brauchen Renten, die diese Bezeichnung auch verdienen. Wir brauchen einen höheren Mindestlohn. Wir brauchen gleiche Einkommen in Ost und West (wobei sich das nichtmehr wirklich so trennen lässt). Wir müssen Konzerne bändigen und Arbeitnehmerrechte stärken. Aber: Dies alles ist weder einfach, noch ohne Konsequenzen. Und es braucht menschen, die es durchsetzen. Ein Blick ins Programm der AfD – und das ist keine Herablassung – zeigt mir hier zumindest keinen Weg. Aber: Sie dürfen es nun beweisen. Wir werden es sehen. Und das meine ich ganz neutral. Ich danke Dir für deinen Kommentar und die Offenheit. Ich bin es auch. Und ich denke, dass dies der Schlüssel ist. Zusammen reden. Gemeinsam machen.

  3. Ich hatte es ja beim Eintritt schon gesagt. Falsche Partei für nen guten Mann. Sind zu viele Selbstdarsteller drin. Parteilosigkeit war ne gute Lösung. Nun gehen Sie mit der SPD unter. Die ist in Sachsen nicht zu retten. Es gibt durchaus gute Leute drin, auch ne Simone Raatz bedauer ich , jedoch fragen Sie nicht nach Mobbing, Bashing, Manipulation in der Partei. Außenwirkung Katastrophe. Da habt Ihr „tolle“ Kandidaten dabei.^^ Als BM werden Sie bestehen, die SPD in Sachsen nicht. L.G. aus Mittelsachsen

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      Danke für die Blumen. So pauschal ist es aber auch nicht ganz richtig. Ich denke, nun kommt die Zeit der Neuaufstellung. Es wird auch Zeit dafür. Und es gibt eine Menge gute Leute, die anders denken und arbeiten.

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