Künftige Verwendung des Stadthauses muss entschieden werden

Wir haben es lange und ausführlich diskutiert. Es gab einen Tag der offenen Tür, um Ideenfindung möglich zu machen. Und wir haben noch einmal bis Ende Oktober aufgefordert, neben das Konzept des Bürgermeisters, das die Nutzung als Rathaus vorsieht, ein mögliches Alternativkonzept zu legen. Bis auf eine schriftliche Erklärung eines Stadtrates, es solle am ursprünglichen Konzept festgehalten werden, wurde nichts vorgelegt. Und während nunmehr der Außenbereich – ebenfalls nach langer und kontroverser Debatte im Rat – nun im Bau ist und sich mit Riesenschritten der Fertigstellung nähert, müssen wir eine Entscheidung treffen, was mit dem Gebäude geschehen soll. Nach beinahe einjähriger Diskussion und einem beinahe solange andauernden Leerstand wollen wir dies deshalb im Dezember das Thema final auf die Tagesordnung setzen.

Es gibt kaum ein Thema, das intensiver diskutiert wurde. Die alte Schule, nunmehr mit Millionenaufwand hergerichtet, sollte einmal Vereinshaus werden und die Touristinfo und das Standesamt beherbergen. Doch über die Jahre der Bauzeit hat sich einiges geändert. Wir wollen den touristischen Verkehr aus der Altstadt verbannen, was die Ansiedlung der Tourist-Information ad absurdum führt. Die Vereine müssten sich die insgesamt drei Räume teilen, so dass hier keine wirkliche Basis als Vereinssitz entstehen kann. Dem entsprechend gering fiel das Interesse nunmehr aus. Gerade zwei Vereine meldeten Bedarf an. Der große Saal im Dachgeschoss, der einst als Veranstaltungslocation gedacht war, kann mit einer bescheidenen Teeküche und keinen nutzbaren Nebenräumen nicht bewirtschaftet werden. Zudem ist die Parkplatzsituation in der Altstadt bekannt, so dass größere Veranstaltungen ohnehin kaum erreichbar wären. Die Zahl der nunmehr entstehenden Parkplätze würde nicht reichen und für mehr ist nach mehrfacher Aufstockung des Etats inzwischen auch kein Geld mehr vorhanden.

Dies alles führte dazu, dass wir bereits Anfang 2014 ein neues Konzept erarbeitet haben. Dieses sieht vor, das Gebäude als neues Rathaus zu nutzen. Dies vor allem deshalb, weil dieses Gebäude so viel Geld verschlungen hat, dass es eine intensive Nutzung verdient hat. Man muss hier festhalten, dass dieses Projekt unsere Stadt an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte und wir eine Kreditaufnahme vornehmen mussten, um handlungsfähig zu bleiben.

Zuvor sei noch erwähnt, dass die SAB als fördernde Bank das Konzept zwischenzeitlich als eine sehr gute Lösung bezeichnet und damit auch abgesegnet hat. Auch der Ortschaftsrat der Stadt Augustusburg hat dem Konzept mit einer sehr deutlichen Mehrheit zugestimmt.

Die folgende Eckpunkte sieht das Konzept vor:

  1. Bis auf das Einwohnermeldeamt, die Touristinformation und das Gewerbeamt ziehen alle Ämter in das neue Gebäude um. Im bisherigen Rathaus werden die Räume neu verteilt. So wird das Einwohnermeldeamt in die Räume des Standesamtes umziehen, um wieder handlungsfähig zu werden. Die bisherigen Räume sind zu klein und zudem klimatisch schwierig und waren zudem immer als Übergangslösung gedacht gewesen. Da sich die Kollegen des Einwohnermeldeamtes und des Gewerbeamtes gegenseitig vertreten, passt  zudem auch dies gut zusammen. Dazu sind dies die Ämter, die am meisten frequentiert werden. Zusätzlich soll ein Bürgerschalter eingerichtet werden an dem all jene ihre Belange regeln können, die nicht bis in die Altstadt kommen können. Die Touristinformation bliebe nur so lange noch an bisheriger Stelle, bis ein neues Domizil an unseren großen Parkplätzen errichtet ist. Dort sehen wir die Zukunft der Information, weil dort die meisten Gäste der Stadt ankommen und auch angesprochen werden können. Nur dies macht Sinn, wenn man eine Touristinfo halbwegs wirtschaftlich führen will.
  2. Die restlichen Räume wollen wir den Vereinen zuweisen. Im Gegensatz zum Stadthaus können diese dann wirklich als abschließbare Büros genutzt werden, auf die nur der Verein selbst Zugriff hat. Damit wäre es möglich, den Vereinen eine feste Basis einzuräumen. Außerdem können die beiden großen Räume im Dach für größere Treffen genutzt werden. Angesiedelt werden soll hier auch das Jugendparlament und eine Arztpraxis, deren Einrichtung uns die SAB ebenfalls genehmigt hat.
  3. Wollen wir mit dem Rest der Verwaltung ins Stadthaus umziehen. Die notwendigen Anpassungen der Räume sind geplant und als Finanzmittel im Haushalt 2014 eingestellt. Zudem wurde uns seitens der SAB signalisiert, dass hier unter Umständen ebenfalls noch eine Förderung möglich wäre. Dies steht aber noch nicht fest und soll sich im November entscheiden.
  4. Wäre damit eine tägliche Nutzung des Gebäudes angemessen möglich. Ein Qualitätssprung für die Stadt und zugleich ein Impulsgeber für die Altstadt. Und auch wenn es Viele nicht wahr haben wollen: Ein solcher Schritt zieht erhebliche Impulse für ein Stadtzentrum nach sich. Alleine der Umstand, dass hier ein Gebäude täglich begangen und bewirtschaftet wird, dass hier die offiziellen Gäste unserer Stadt diese auch kennenlernen. Nicht umsonst befanden sich Rathäuser auch historisch zumeist an den Marktplätzen der jeweiligen Stadt. Dort ist das Zentrum. Dort gehört es hin. Unsere Stadt hat keine wirkliche Mitte, kein Zentrum. Und ohne eine Mitte gibt es auch keine Identität. Unsere Altstadt sollte diese Mitte werden und ich glaube daran, dass wir dies auch entwickeln können.

Nach vielen Gesprächen mit Touristikern, dem Fördermittelgeber und mit vielen Bürgern der Stadt bin ich überzeugt, dass dieses Konzept der richtige Weg wäre. Dies wurde auch von den entscheidenden Gremien – nicht zuletzt dem Fördermittelgeber – bestätigt.  Für uns als Stadt ist hier der größte Nutzen aus der Investition gezogen. Zudem haben wir mit der Umnutzung des Rathauses Marienberger Straße zum Vereinshaus auch bessere Rahmenbedingungen für die Vereine geschaffen, denn hier kann man sein eigenes Büro jederzeit und ohne Abstimmung nutzen. Die Erreichbarkeit ist gegeben und größere Räume sind im Dachgeschoss in Form des Ratssaals und des Aufenthaltsraum gegeben. Damit sind auch Sitzungen problemlos möglich.

Wer all diese Eckdaten vorbehaltlos zur Kenntnis nimmt und sich mit den Fakten auseinandersetzt, sollte dies nachvollziehen können. Alle anderen Versionen wie nunmehr der Vorschlag, ein Museum einzurichten, sind wirtschaftlich und logistisch nicht umsetzbar. Nach Rücksprache mit Nachbargemeinden ergibt sich für ein Museum ganz schnell ein jährlicher Zuschussbetrag von 100 TEUR. Ich wüsste nicht, wie wir dies im Haushalt abbilden sollten.

Wir sollten gemeinsam diese Entscheidung treffen, damit wir den Anfang für den Aufbau eines neuen Mittelpunktes machen. Wir haben hier noch viele Möglichkeiten. Das Lehngericht zum Beispiel, das als bestimmendes Gebäude ebenfalls entwickelt werden will. Auch hier gibt es einen ersten Ansatz. Auch hier können wir einen weiteren Schritt in Richtung lebendige Stadt tun. Eine Stadt braucht einen Puls. Und um den zu bekommen, müssen wir Impulse setzen.

 

 

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