Schrägaufzug ist richtig und wichtig

Wenn man Dinge tun will, schaut man manchmal besser denen über die Schulter, die diese bereits getan haben. Dann orakelt man weniger und redet mehr über Fakten. So verhält es sich auch mit dem Projekt Schrägaufzug für unsere Altstadt. Das Projekt, das schon sehr lange beschlossene Sache ist, das bereits Baurecht hat und in welches bereits 80 TEUR investiert sind, ist nicht nur Teil eines Gesamtkonzeptes für die Belebung der Altstadt – es ist nebenbei auch die Wiederholung eines Ansatzes, den andere Städte bereits erfolgreich umgesetzt haben. Um meine eigenen Bedenken zu hinterfragen, habe ich mit der Stadt Schwarzenberg gesprochen. Dort ist eine ähnliche Anlage bereits seit vier Jahren im Einsatz. Und dies überaus erfolgreich.

Man kann Projekte hinterfragen. Man kann Projekte zerreden. Man kann aber auch kritisch und offen Analyse betreiben. Ich habe mich für letzteren Weg entschieden. Und während das Vorhaben relativ haltlos als Steuerverschwendung bezeichnet wird, haben wir uns die Zahlen und Fakten dazu besorgt. Und diese sind gut und überzeugend. In Schwarzenberg ist der Schrägaufzug seit vier Jahren im Einsatz. Damals ähnlich kritisiert, ist der Widerstand inzwischen verstummt. 250 000 bezahlte Fahrten sprechen eine eigene Sprache. Die Stadt selbst bezeichnet das Projekt inzwischen als die beste Fördermaßnahme für die Altstadt, die es in der Stadt hätte geben können.

Dabei ist das Modell mit 75 Prozent nicht einmal kostendeckend. Aber: Für die Belebung der Stadt ist es dennoch nicht mehr wegzudenken. Und inzwischen akzeptieren die dortigen Geschäfte die Fahrkarten als Gutschein und jeder Fahrgast hat die Möglichkeit – ähnlich wie bei unserer Kurkarte – den gezahlten Preis ganz oder zu Teilen zu verrechnen. Auch für uns wäre der Aufzug ein wichtiger Schlüssel, denn er erleichtert den Zugang zur Altstadt erheblich. Zudem werden wir auch einen höheren Deckungsgrad erreichen, da wir mit anderen Kosten kalkulieren können. Wir erwarten sogar einen positiven Deckungsbeitrag. Gemessen an den einmaligen Investitionen wäre dies damit eine gute Investition. Zusammen mit der Drahtseilbahn wäre eine geschlossene Transportkette da. Und ja, es handelt sich um eine Attraktion und nicht um einen Fahrstuhl.

Entgegen des heutigen Berichtes ist die Bahn allerdings anders geplant als beschrieben. So werden wir eine deutlich größere Kabine anstreben, da wir uns der Beförderungskapazität der Drahtseilbahn anpassen müssen und wollen. Außerdem ist es erklärtes Ziel, die Gestaltung an die der Drahtseilbahn anzupassen, um ein kongruentes Erscheinungsbild zu erreichen. Auch inhaltlich ist das Projekt in ein Gesamtkonzept eingebunden. So wollen wir durch die Öffnung des Schulgartens als Rundwegteil des Schlosses einen neuen Rundgang eröffnen. Der Aufzug soll die Leute nach oben bringen, diese sollen dannden Rundweg nutzen und von der Bergstation wieder nach unten fahren. Durch ein entsprechendes Verbundticket von Drahtseilbahn und Aufzug wird dies gewährleistet. Nur behinderte und ältere Gäste sollen den Aufzug auch nach unten benutzen können.

Damit bringen wir eine deutlich höhere Besucherfrequenz in die Stadt und schaffen damit die Grundlage, die leerstehenden Flächen wieder attraktiv für Gewerbetreibende zu gestalten. Das ist ein schwieriger aber auch machbarer Plan. Und wer ernsthaft eine Belebung der Altstadt möchte, sollte dies bedenken. Nur vom Wollen werden wir dies nämlich nicht erreichen können. Und geredet wurde über diese Belebung seit Jahren. Geschehen ist nur leider – sieht man von privaten Investoren und Vereinsaktivitäten ab – nichts.

Auch die Streckenführung wird neu geprüft werden, denn die Kosten sollen in einem verträglichen Rahmen gehalten werden. Daran arbeiten wir nun.

Wir sollten gemeinsam lernen, dass man solche Projekte faktisch und logisch diskutieren sollte. Neues zu schaffen bedeutet immer auch etwas zu wagen, vieles zu ändern. Eine Garantie für das Gelingen gibt es nicht. Aber das Wort unternehmen kommt nicht von unterlassen sondern eben von unternehmen. Wichtig ist, dass man vorher soweit es möglich ist Risiken einschränkt und Fakten sammelt. Dann aber muss man entscheiden und loslegen. Und daran glauben. Das ist so.

Und zuletzt: Die Schaffung von Ruheinseln haben wir bereits als Begleitprojekt zum Parkkonzept angekündigt. Das allein aber wird den beginnenden Exodus der Altstadt nicht aufhalten.

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3 Kommentare

  1. „Nur behinderte und ältere Gäste sollen den Aufzug auch nach unten benutzen können.“, halte ich in der praktischen Umsetzung für problematisch. Wie unterscheidet man dies im Alltag. Was wenn jüngere Leute herunterfahren möchten, weisst man diese ab? Die Idee insgesamt finde ich gut.

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  2. Das wird über ein spezielles Ticket bereits beim Verkauf geregelt. Hier sind wir noch im Finetuning. Denkbar ist, die an einer etwaig vorhandenen Gehbehinderung festzumachen. Vorher müssen wir aber noch die Finanzierung klären. Dann kümmern wir uns um die letzten Details.

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  3. Schön wäre es, wenn man bei anderen schaut, die es schon perfekt getan haben. Wie wäre es mit Bad Schandau oder Lissabon? Da wurde von 100 Jahren einfach ein Jugendstil-Stahlturm mit einem Fahrstuhl vor die Felswand hingestellt. Über eine Aussichtsbrücke läuft man auf das Plateau. Das sieht sogar nach vielen Jahren noch schön aus, was leider selten bei modernen Zweckbauten ist.

    Heute kann man in einem (Retro-Jugenstil)Stahlturm leicht einen Standard-Lift irgendeines Herstellers einbauen. Der Hydraulikstempel verschwindet unsichtbar im Fuß. Die Wartung eines Standard-Lifts kostet auch nur einen Bruchteil der Wartung einer Speziallösung, bei dem man kaum den Anbieter wechseln kann.

    Ich denke Augustusburg liegt vom Stil her wesentlich näher an Lissabon und Bad Schandau, als an Schwarzenberg. Der Stadtrat kann sich ja in einen der beiden Städte die Lösung anschauen…

    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bad_schandau_aufzug.jpg
    http://static.panoramio.com/photos/large/11045261.jpg

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