One step Closer to knowing

Wir haben es vergessen. Wir haben vergessen, wie die Schornsteine rochen. Wir haben das allseitige, allbestimmende Grau verdrängt, das uns bestimmte. Wir haben vergessen, wie selektiv wir ehrlich waren. Wir haben vergessen. Über das neue Grau, das nun bunt ist haben wir uns gefreut bis auch dies zur Last wurde. Wir haben die Zwänge getauscht. Lastwechsel in Kopf und Seele. Aber wir haben auch gewonnen. Freiheit, soweit wir diese unter Hypothekenlast und Krisenahnung noch spüren. So wichtig und doch so groß, als das man sich jeden Tag daran erfreuen könnte. Wir sollten, denn das was war, war so schlimm, dass wir alle fast alles vergessen haben.

Ich brauche keinen lindsatztriefenden TURM um zu erinnern. Ich brauche keinen Gewissensgauck. Ich rieche den Holunderduft meiner Bahndammkindheitsverstecke. Ich fühle noch immer die Leichtigkeit des Kindseins. Damals. Am Rand der grauen, in sich versinkenden Divastadt, die alten Zeiten nachtrauernd bedeutend unbedeutend war. Keine Last, weil man sie nicht sehen konnte. Im Kindskopf gab es keine Redegrenzen. Das ist, was Schlechtes überlagert. Mit einer wohligen Kuscheldecke aus sorgenfreier Heimatzeit. Verklärt von 20 Jahren Dauerlauf im neuen Stadion. Wer weiss da schon noch, wo er mal losgelaufen ist? Und ich sehe gewendete Geschichten. Menschen von damals, die heute schon immer ganz anders waren. Keiner, der sich verantwortlich sieht. Man musste, weil man nicht anders wollte. Anders ist anstrengend. Anders ist weit draussen. Weit vor der Zwölfmeilengrenze der privaten Wohlfühlzone, die heute hübsch renoviert die neue Welt markiert. Zuhause ist die Welt die eigene.

Zwei Jahrzehnte in neuem Takt. Doch ist der anders? Reden kann man, wenn man es sich leisten kann. Nicht, wenn man was zu sagen hat. Und ob einer zuhört im babylonischen Getön ist oft die Frage, ob man Iro trägt und ständig twittert. Die Grenzen gelten nur für die, deren Konto sie Zuhause hält. Aber einmal Mallorca geht immer. Brot, Reisen und Privatfernsehen. Und ein bisschen Gaspedal durchtreten. Damit man anders ist. Schau mal, ich trau mir eine 120 auf 100er Strecke. Ich bin nicht konform. Ich mach mir meine Regeln. En bisschen Rock’n’Roll. Aber um sieben müssen wir zuhause sein. Da gibts Essen. Die Umwelt. ja, die hat gewonnen, denn die machen wir ein bisschen langsamer kaputt als früher. Dafür verpacken wir das besser. Und sonst? Viel Langeweile, die man am Samstag zum Baumarkt trägt. Oder ins neue Shoppingcenter. Nur nicht nachdenken. Immer schön konjunkturen, damit der Kahn unter Dampf bleibt. Jetzt, wo halb Europa feststellt, dass die Party vorbei und das Ende in Sicht ist. Die Kapelle spielt. So schlimm kann’s ja nicht sein.

Da war doch nochwas. Achja, die Freiheit, die wir uns so wünschten und die die meisten weder gestern noch heute vermissen. Diese Freiheit ist schon ein bisschen lästig, will sie doch gelebt sein. Wo wir uns doch lieber leben lassen. Die Freiheit muss warten. Bis wir mal Zeit haben für sie. Oder sie uns einer wieder wegnimmt. Ganz heimlich. Während wir beim OBI an der Kasse stehen.

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