Hallo Wähler? Tut, tut, tut…

Das Wahlergebnis in Sachsen ist einen Tag alt. Das Wichtige zuerst: Die NPD ist draussen und das ist gut so, um es mit einem echten Wowereit zu sagen, der sich ja jetzt auch mit dem Draussensein auskennt. Alles andere ist nicht jene nun vielstimmig beklagte Katastrophe. Im Gegenteil. Es war erwartet. Es ist Fortsetzung der Abkehr von der Politik. Weil diese nichtmehr versteht und nichtmehr verstanden wird. Es ist, als ob ein Taubstummer einem Blinden gestikulierend beibringen wollte, dass man mal reden sollte. Der Kanal ist gestört.

Wer sich am gestrigen Abend wunderte, der war wohl noch länger im Urlaub als ich. Alles war absehbar. Leider – und ich bin kein Mitglied – war der Exodus der FDP vorgezeichnet. Um es mit meinen Worten zu sagen. Und entweder Ergebnis einer vollkommen verfehlten Wahlkampfstrategie der CDU. Oder das Ergebnis der geplanten Beerdigung des kleinen, gelben Partners, den man loszuwerden gedachte. Dies liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Anders kann man das Vorgehen von unserem MP und seinem Team nicht deuten. Wer sich bis zur Wahl schwammig zur AfD äußert und zudem seinem bisherigen Regierungspartner nicht den Hauch von Unterstützung gönnt, der bekommt es am Ende mit einer Partei zu tun, die mit Millionenaufwand gerade eben 12,9% des Wahlvolkes erreicht hat und jetzt mitregieren darf. Am Küchentisch wahrscheinlich, den der Genosse Dulig ja überall mit hinnimmt.

Doch das ist nicht das eigentliche Problem. Das liegt dann wohl eher in der Tatsache begründet, dass kaum einer wählen geht. Und das hat Gründe. Vielleicht sollten die etablierten Kollegen in den Parteiapparaten mal darüber nachdenken, warum es eigentlich keinen mehr so richtig interessiert, was die dort so treiben. Was also wird jetzt passieren? Reflexartig wird der Wähler gescholten werden. Seine demokratischen Pflichten werden zitiert. Und es fehlt auch nicht der Hinweis, dass im Land der Montagsdemos nun offenbar nur noch 49% wählen gehen. Und das, obwohl die doch nicht durften, früher. Die Ossis. Mein Gott. Sind die undankbar. Da haben sie sich die Freiheit erkämpft und danken es sich nich mal selbst. What?

Was aber, wenn der Wahlmüde keine Alternative erkennen kann, weil die Wahlprogramme inzwischen wie Blaupausen wirken und sich allenfalls in Nuancen unterscheiden. Sieht man mal von den kleinen Extremen und den alternativen Populisten ab. Und jenen, die sich als Alternative gerieren wollen, erkennbar aber keine sind? Weil sie Europa ablehnen. Die einzig richtige Sache, die die grosse Politik auf die Ban gebracht hat? Der Rest ist eben Einheitsbrei. Ergebnis eines massiven und verlogenen Getrampels in der politischen Mitte. Alle wollen für alle Alles. Immer das Beste für den Wähler. Mehr Schule, mehr Kita, mehr Geld für alles mögliche. Und dann? Dann kommt der Alltag und das übliche Gerede von Zwängen und der harten Realität. Das wars dann bis zur nächsten Wahl. Wie soll ich sagen? Wenn man nur alle vier Jahre mal beim Wähler anruft, dann kann es sein, dass der Anrufbeantworter geschaltet ist, wenn man es mal wieder versucht. Oder es macht einfach nur noch tut, tut, tut…

Das Fazit ist Ratlosigkeit. Wer will das wie aufhalten, ändern, wieder einen Kanal aufmachen? Wer kann das Wunder vollbringen, dass die, die alle vier Jahre eine Stimme haben auch das Gefühl bekommen, dass diese nicht nur der Form halber abgefragt wird? Quasi als Legitimationsmaßnahme für eine Politik, die sie selber nicht beeinflussen können? Was ist die Konsequenz, wenn dies nichtmehr gelingen sollte? Wie muss Politik organisiert sein, dass sie kein eigener, abgeschotteter Orbit sein kann? Zu den Fakten zählt nämlich auch: 51 % Nichtwähler plus 30% aus Linkspopulisten, Alternativträumern und rechtem Gehirninfarkt macht? Richtig. Eine satte Mehrheit von 81 Prozent!

Vielleicht ist aber alles ganz anders. Vielleicht sind wir alle nur satt, zufrieden und viel zu weit weg von ukrainischen Zuständen. Vielleicht haben wir uns zu sehr daran gewöhnt, das Wasser fliesst, das Licht brennt und die Wohnung warm ist. Und uns keiner die Rübe wegraucht. Was hat mir nach der Wende mal einer gesagt? Hauptsache Marlboro, Golf GTI und Videorekorder. Diese moderne Form von Brot und Spiele ist es, die uns im Kopf lahmen lässt. Die uns in die Knie zwingt, ohne das wir es merken. Die uns ablenkt vom Wesentlichen. Nämlich den Umstand, dass die Evolution und eigentlich mal dazu auserkoren hatte, dass wir über unser Sein und unser Selbst nachdenken. Nun stellt Sie fest: Wir sind eventuell ein Auslaufmodell.

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