Flächennutzungsplan. Macht. Zukunft.

Ja, Wellness wäre gut. Von einem Hotel war nicht unbedingt die Rede, aber das ist in dem Fall nicht entscheidend. Nein, es wird dafür keine Kleingartenanlage verdrängt, geschlossen oder ähnliches. Das vielleicht vorweg zu dem, was über unsere Bürgerinformationsveranstaltung zum Flächennutzungsplan bisher berichtet wurde. Flächennutzungsplan. Was für ein Wort! Was genau ist das eigentlich? Kurz gesagt: Die Basis aller Zukunftsplanungen, die eine Stadt auf ihrem Territorium anstellen kann. Kurz gesagt wird hier festgelegt, wo Wohnbebauungen, Gewerbeansiedlungen oder so genannte Mischgebiete (also ein Mix aus beidem) ausgewiesen werden sollen. Das wiederum entscheidet darüber, ob an einem bestimmten Fleck ein Wohnhaus oder eine Werkhalle errichtet werden darf, oder eben nicht. Kurz: Es geht darum, wie sich unsere Stadt in Zukunft entwickelt. Und das ist spannend.

Was eigentlich ganz simpel klingt, ist es nicht. Denn: Wer solche Flächenplanungen vornimmt muss wissen, wo er einmal hin will. In zehn oder eben 15 Jahren. Wo wollen wir eventuell weitere Angebote wie beispielsweise einen Wellnesspark errichten, um für vorhandene oder eben zukünftige Hotels eine weitere Nachfrage erzeugen zu können? Wo können künftig Wohngebiete beispielsweise für Familien sinnvoll entstehen, weil vielleicht eine Schule um die Ecke besteht? Und wo bieten wir erfolgreichen Unternehmen der Stadt in einem sinnvollen Rahmen Entwicklungsflächen, ohne für viel Geld weitere „beleuchtete Äcker“ zu erzeugen. Und in einem Maß, dass uns diese Unternehmen im Ort erhält und diese nicht vertreibt. Und das ist nur der eine Teil der Herausforderung. Der zweite ist, dass unsere Stadt eigebettet ist in Landschaftsschutzgebiete. Und hier – im übrigen zu Recht –  ist es sehr schwer, zusätzliche Landnahmen gegenüber den Genehmigungsbehörden durchzusetzen.

Dies alles haben wir am 11.2. öffentlich in unserer Grundschule diskutiert. So wie wir alles öffentlich diskutieren, was von Belang ist. Ich habe in diesem Rahmen meine Gedanken zu diesem Planungsrahmen vorgestellt. Zusammengefasst heisst dies, dass wir:

1. Eine Entwicklungsfläche am Nettomarkt brauchen, um dort das in Zukunft das Thema Wellness /medizinische Anwendungen etc. verorten zu können. Dort deshalb, weil in diesem Teil der Stadt die meisten Hotels angesiedelt sind. Und auch deshalb, weil an dieser Stelle das Thema Thermalwasser eine Rolle spielt.

2. Eine Zukunftsfläche für das Thema Wohn- oder Hotelbebauung im Bereich der Gartenanlagen am Höckericht ausweisen wollen. Das deshalb, weil sich die Entwicklung der Gartenanlagen nicht positiv darstellt und wir hier in spätestens zehn oder 15 Jahren damit rechnen müssen, dass dieses Thema hier zuende geht. Für diesen Fall soll in der Rahmenplanung die Anschlussnutzung geregelt werden und die Fläche nicht zur Brache werden kann. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird hier also niemand vertrieben. Definitiv nicht.

3. Eine Entwicklungsfläche für unsere ortsansässigen Unternehmen in Grünberg schaffen wollen, damit diese ortsansässige Unternehmen bleiben. Denn diese brauchen wir, wenn wir unseren ohnehin nicht üppigen Haushalt  nicht noch mehr schmälern wollen.

4. Eine Erweiterungsfläche für das Erdmannsdorfer Bad ausweisen wollen, auf der das Thema Caravaning / Camping maßvoll entwickelt werden kann, um die Zukunftsfähigkeit des Bades erhöhen zu helfen.

Das sind die Neuerungen, die ich an jenem Abend erläutert habe. das sind auch die Punkte, die ich mit der Landesdirektion  unverbindlich vorbesprochen habe um herauszufinden, ob wir hier auf einem genehmigungsfähigen Weg sind, oder nicht. Hier darf ich sagen, dass das Gespräch sehr angenehm verlief und dieses Gesamtkonzept als stimmig und maßvoll gelobt wurde. Ein Anfang aber noch ein langer Weg.

Nun hat dies bereits wieder Diskussionen erzeugt. Das ist gut. Das ist wichtig, denn es geht im wesentlichen um unsere Zukunft. Und es geht darum sich damit zu beschäftigen und zu verstehen, warum dies alles  wichtig ist. Vor allem wird in Zweifel gezogen, warum man ein Wellnesshotel braucht. Wie ich eingangs bereits schrieb, geht es nicht zwingend um ein Hotel sondern eher um den Punkt, wie wir Gründe schaffen, dass unsere Gäste vom Tagestouristen zum Übernachtungsgast werden. Wellness ist ein solcher Grund. Medizinische Anwendungen, die beispielsweise aus Thermal- oder Salzbehandlungen in Floating-Tanks bestehen könnten. Grundsätzlich geht es darum eine Fläche für einen Investor überhaupt zu haben. Sonst braucht man keinen suchen.

Der Unterschied zwischen Tages- und Übernachtungsgast ist gravierend. Bei einer Hotelauslastung von 18% sehen wir, dass wir dies entwickeln müssen. Denn ohne Übernachtung findet so gut wie keine Wertschöpfung in der Stadt statt. Ergo kann man auch hierauf keine Zukunft bauen, die wirtschaftliche Verbesserungen bringen kann. Die aber brauchen wir, wenn wir die Stadt auch für unsere Kinder zukunftsfähig hinterlassen wollen. Denn mit nennenswerten Industrieansiedlungen können (und wollen) wir nicht rechnen. Ergo muss Arbeit auf eine andere Weise entstehen. Im Dunstkreis von Dresden, Leipzig und Chemnitz und mit den Möglichkeiten, die uns unsere Region bietet, einer Weltkulturerbebewerbung im Rücken und dem Schloß hoch oben auf dem Berg haben wir eine Menge wirklich gute Voraussetzungen, dies auf diesem Weg auch zu erreichen.

Doch wir müssen beginnen, daran zu arbeiten. Und das beginnt mit Gesprächen und Überlegungen, mit Meinungsäußerungen und  Phantasien, Visionen und Plänen, die Wege sichtbar machen, die wir derzeit nicht sehen. Und auch damit, dass wir überhaupt daran glauben, dass es noch anders sein kann, als es derzeit ist. Und das wiederum gelingt nur, wenn wir nicht jede Idee sofort und unerbittlich mit Zweifel und einem beherzten „wird sowieso nichts“ beerdigen. Vielleicht versuchen wir es mal damit, mal wieder etwas zu versuchen.

 

 

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