Das Immer-doof-Prinzip. Heute: Wir bauen eine Straße

Wir dachten, wir tun etwas Gutes. Der Neubau der Straße am Friedhof in Augustusburg soll den Eingang in unsere Stadt verschönern und entgegen der Trekking-Strecke, die zuvor eher an Pfade in den Alpen erinnerte, einen freundlichen Zugang zur Stadt gewährleisten. Nun, da die Baumaßnahme nicht einmal fertiggestellt ist, wird bereits heiß diskutiert, was „die“ sich (also wir hier im Rathaus) da bloß wieder ausgedacht haben. Nun: Ja, wir haben uns etwas ausgedacht. Wir haben dies mit den zuständigen Gremien der Stadt diskutiert und beschlossen. Und ja, alles dort hat seine Begründung. Und doch ist wieder alles falsch. Ein nicht ganz ernst zu nehmender Projektblick. Wer Satire nicht mag oder verträgt, sollte jetzt auf das kleine Kreuz im oberen Eck seines Browserfensters klicken.

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Weltall, Erde, MeckPom

Nunja. Sie haben die Ostsee, den schönen Sand, den Darß. Und ja: Sie haben bei der Verteilung der gottgegebenen Bestvoraussetzungen damit echt Schwein gehabt, um es mal so zu sagen. Allerdings bin ich mir nach beinahe einer Woche langersehntem Küstenurlaub relativ sicher, dass den hier lebenden Ureinwohnern nicht bewusst ist, was das Pleistozän ihnen als Starthilfe hinterlassen hat. Oder sie sind dem Missverständnis erlegen, dass viel Sand auf dem Boden die Existenz einer Servicewüste rechtfertigt. Denn in selbiger sind wir gelandet. Und um es vorweg zu sagen: Dieser Text sollte auch uns zuhause beschäftigen, denn er beantwortet die Frage, wie der Gast manchmal das sieht, was wir als Angebot empfinden.

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Herr, Obame Dich seiner! Und meiner bitte auch.

Endlich! Morgen früh wachen wir auf und die Sechs-Milliarden-Dollar-Frage ist hoffentlich geklärt. Schwarz oder weiß. So einfach ist die Entscheidung, die im maroden Weltregierungsstaat 1 von den dort ansässigen Burgerbürgern getroffen werden muss. Denn um mehr geht es nicht. Ist ja am Ende egal, wer die Karre im Dreck lässt. Die Amis wären nicht die Amis, wenn sie dies nicht wüssten. Und ein bisschen erinnert das an die gute alte DDR. Wieso? Nunja. Grundhaftes Flickwerk auf Pump, keine wirkliche Wahl und planvolles Dauerversagen statt Weiterentwicklung. Habe ich schonmal gehört. In meiner alten Heimatstadt zum Beispiel hat man jahrelang immer wieder Strassenbahnschienen hingepflastert, die die schweren Tschechentrams nicht trugen. Wusste jeder. Und dennoch: Vorwärts zum 40. Jahrestag. Der Baustelle natürlich. Und bei den Amis? Die halbe Welt mit Waffenstarre umerziehen wollen und Zuhause schön die Stromkabel wieder in die Bäume hängen aus denen der letzte Wirbelsturm die zum xten Mal rausgeblasen hat. Lernfähig ist anders. Wenigstens schreit dort keiner nach dem Staat. Das hat man denen schon frühzeitig abgewöhnt. Und deshalb ist auch egal, wer den Staat lenkt. Herr, Obame sich seiner.

Und meiner bitte auch, denn bei uns ist man noch nicht soweit. Übrigens auch wie in der guten alten DDR. Dort – das hat mir mal einer erzählt, der früher Eingaben bearbeitet hat (für die jüngeren Leser: eine Art facebook-Gewinnspiel. Nur ohne gewinnen). Also dort hat mal die Brigade eines Ziegelwerkes jahrelang Eingaben an die Parteileitung geschrieben, weil das Dach der Werkswohnungen undicht war. Man hätte auch ein paar mehr Ziegel brennen können. Ein Subotnik und das Dach wäre dicht gewesen. Nee, nee, nee. Nich mit uns! Schließlich hat man ja seine 18 Mark Miete gezahlt. Auf 50 Quadrat. Den Rest reim ich mir zusammen: Es kam die Wende. Haus verkauft, Sanierungsrückstau aufgelöst, Dach neu gedeckt. Mieterhöhung! 18 Mark. Für einen Quadrat. Wieder Attacke! Geklagt als Hausgemeinschaft. Weil Eingaben jetzt Klage heissen. Nix gewonnen. Wie früher. Selber schuld, würde ich sagen. Andere nennen das „Siegerjustiz“.

Und heute? Heute debattieren wir alles und jeden kreisförmig langsam in Grund und Boden. Und wenn wir auf einer Bananenschale ausrutschen, dann heißt es wütend: Scheiß Staat. Sofort bildet sich eine Bürgerbewegung zur Klärung der Schalenfrage. Die EU fordert eine Richtlinie nach rutschfesten Gelblingen. Die Regierungskoalition führt eine Praxisgebühr für Obststände ein. Die Opposition ist natürlich dagegen. Weil es ihr Job ist. Die Gewerkschaften fordern Bananen für Langzeitausrutscher. Dagegen ist die schwarz-gelbe Koalition, weil sonst die Gelben nichtmehr erkennbar wären unter den ganzen Unterschichtensüdfrüchten. Und womöglich jeder unerkannt mit am Koalitionstisch Platz nehmen könnte. Nicht auszudenken. Merkel und eine Banane als Vizekanzler! Dafür haben wir die Mauer nicht umgeschubst. Dafür nicht! Und weil das alle Obstfreunde und Walldorf-Fans scheisse finden, stricken wir alle unsere Bananenschalen selbst und tanzen unsere Forderung in den staubigen Asphalt: Freiheit für die Nudisten-Banane. Und die bocklosen Piraten segeln im Shitstorm in den gelben Sonnenuntergang. Ähm. Wo war ich?

Ach ja. So lernen wir. DDR, BRD, USA. Alle Dreibuchstabensuppen sind gleich. Die Bananenschale bleibt trotz allem eine Biowaffe, die man durch EU-genormtes Bücken beseitigen kann. Und die Wahl gewinnt der Gewinner. Gute Nacht.

Softeis für Griechenland!

Es gibt Studien, die sind spannend, überraschend und lehrreich. Und es gibt solche, bei denen man sich fragt, warum sie eigentlich gemacht wurden. Und dann gibt es welche, die auf den zweiten Blick ganz tief gehen. Stimmt nicht? Na dann sprechen wir doch mal über eine brandaktuelle Untersuchung aus Leipzig, die sich mit dem schweren Stand – was für eine Wortbrücke – von dicken Kindern auseinandersetzt. Die sächsischen Forscher mussten 3000 Menschen in ganz Deutschland befragen um herauszufinden, dass die Mehrheit der Deutschen Dicke und hier im besonderen unsere kleinen Pummelbürger mit Zitat „negativen Stereotypen“ belegt. Das heißt: Die Mehrheit von uns findet dicke Kinder… Na, Sie wissen schon.

Grandios, möchte man ausrufen und fragt sich dabei, ob man das Geld für jene Erhebung nicht besser direkt nach Griechenland überwiesen hätte, statt zu beweisen, dass es nachts schon immer dunkel wird. Denn, dass dicke Kinder nicht eben angesagt sind, für faul und bewegungsarm gehalten werden, das ist wohl schon solange so, wie ich denken kann. Auch auf unserem sozialistischen Schulhof wurde dicken Pionieren das Halstuch – sagen wir – gerne neu geknotet. Und beim Zweifelderball wollte auch keiner diese unbeweglichen Ziele haben. Neu ist ebenfalls nicht, dass wohl ein Großteil der betroffenen Wumsbrummer nicht wirklich genetisch entsprechend disponiert sind, wie man es medizinisch umschreiben würde. Die meisten haben sich die Ringe ehrlich erworben. Burger und Nintendo sei Dank.

Warum also untersucht man eine Frage, die wahrscheinlich schon bei den Höhlenmenschen beantwortet war? Um zu beweisen, dass diese ablehnende Haltung nicht dazu führt, dass die Betroffenen abnehmen. Im Gegenteil, sagen die Forscher. Es führt zum Frustessen, was das Ganze ja bekannter Maßen nicht besser macht. Ist auch nicht brandneu und bedeutet nichts anderes, als das wir künftig jedem Zwergenmoppel mal eben noch ein Softeis in die kleinen Wurstfinger drücken sollten, um diesem Trend endlich Einhalt zu gebieten. Nun, ich hätte ja auf verstärkten Schulsport und Obst gesetzt. Aber ich bin auch ein elender und überholter Traditionalist.

Ja, meine Lieben. Was also soll diese Studie? Erst nach langem Grübeln und mehreren Tafeln Schokolade habe ich den tieferen Sinn entschlüsseln können! Griechenland! Ja! Jetzt ist alles klar. Jetzt habe ich endlich verstanden, warum wir dem klammen Sonnenstaat all die Milliarden ins Schaufenster stellen. Unsere dauernde Ablehnung von Sommer, Sonne, Subventionen hat zu einer milliardenschweren Trotzverschwendung geführt. Genau! Und deshalb sollen die nämlich durch permanente, legale Verschwendungsorgien einfach die Lust am Geldausgeben verlieren. Prassen bis die Langeweile jeglichen Konsumtionswillen gebrochen hat! Genial! Softeis für Griechenland. Lasst die Helenen sich ihre Formel 1 Strecke bauen. Lasst sie weiter ihre Fischkutter abwracken und gebt Geld, Geld, Geld. Am Besten ganz ohne Auflagen. Irgendwann, so in 20 oder 30 Jahren, haben die dann so eine Stinkelangeweile, dass sie von selber ein Steuersystem und eine wunderbare Verwaltung aufbauen. Das haben wir bei uns genau so gemacht. Hat auch funktioniert.

My Hobby is my Job! Die Steuerflat.

Irgendwie denke ich manchmal, dass ich im falschen Film die Nebenrolle spiele. Da haben wir einen Exfinanzminister und Bundestagsabgeordneten, der nebenbei mal locker eine halbe Million abstaubt. Alles nicht so schlimm sagt er. Wir machen das ja transparent. Und wenn jeder sehen kann, was ich nebenbei verdiene, dann ist ja alles gut. Nunja. Beinahe. Also, eigentlich nicht wirklich.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eine Bäckereifachverkäuferin hält nebenbei Vorträge bei der Deutschen Bank. Sagen wir, über das Leben mit richtiger Hände Arbeit. Damit es den Herren mal ordentlich warm wird unter dem Nadelstreifen und die Kollegen ahnen was auf Sie zukommt, wenn sie auch den Rettungsschirm verzockt haben. Und stellen wir uns weiter vor, dies läuft so gut, dass auch die Vorstände der anderen Glücksspielunternehmen ihr Personal mal richtig erschrecken wollen. Dann kommt die Angestellte ein wenig ins Trudeln, denn eigentlich schafft sie das nicht alles, hat sie doch beide Hände im Plunderteig wenn die Limo schon vor dem Laden parkt, um sie zum nächsten Vortrag abzuholen.

Und so entsteht ein echter Interessenkonflikt. Denn der Bäckermeister, der ihren Arbeitsvertrag irgendwann mal mit mehliger Tinte unterschrieben hat, wird wenig Verständnis aufbringen für diesen neuen Nebenjob. Denn: Seine Angestellte ist derzeit mehr auf Vortragsreise als im Laden, wofür er sie ja eigentlich mehr oder minder ordentlich entlohnt. Da wäre aber ordentlich Dampf in der Backstube. Und jetzt stellen wir uns noch vor, wie die kleine Angestellte allen Mut zusammennimmt und ihrem Arbeitgeber den entwaffnenden Satz entgegen schleudert: „Nicht so schlimm, ich sag ja, was ich vom wem bekomme.“ Ich denke, spätestens jetzt würden die üblichen Abmahnungen übersprungen, um direkt zur Kündigung zu schreiten. Wenn das mal nicht im Einzelfall als Amoklauf im Heutejournal endet. Klaus Kleber würde sehr betroffen sein.

In unserem Fall sind wir die Bäckermeister und mir fehlt die Phantasie zu glauben, das einer, der 15 TEUR im Monat für einen wirklich echt harten Job bekommt noch Zeit findet, für den Gegenwert von einer halben Million (ungefähr 90 Jahresfachverkäuferinnengeälter) ein wenig durch die Gegend zu lamentieren. Und selbst wenn: Steht dann nicht ein Teil jenen zu, die ihn eigentlich für seine wirkliche Arbeit entlohnen? Kann das sein?

Und ist es nicht die Aufgabe eines hochdotierten Würdenträgers, seine Amtsaussagen ansonsten kostenfrei zu transportieren? Wäre dies nicht so, als ob unsere Verkäuferin ein Honorar für die Verkündung des Verkaufspreises verlangen würde? Nicht? Oh. Ich muss los. Zum nächsten Vortrag.

We’re in The desert to dismantle a Atomic Bomb…

Wir sehen, dass wir nichts sehen. Wir sehen, dass wir blind sind. Wir sehen, dass uns der Wohlstand den Blick verstellt. Worauf? Auf das Wesentliche. Ich mag TV Diskussionen nicht. Die heute Abend entzieht sich dem. Vor allem, weil ich unseren Verteidigungsminister für einen der wenigen Geraden unter den Lobbygekrümmten halte. Zum anderen, weil es Zeit wird, wieder mit dem Denken zu beginnen. Ich habe den Film gesehen. Eher zufällig. Und ich bin entsetzt. Und jetzt kommen Bilder, Erinnerungen. Sehr schnell. Sehr präsent. Schwarze Fensterhöhlen entlang endloser Staubpiste. Rußumrandet. Mitten im unfertigen oder zerschossenen Ziegelbau. Vertriebenleeres Zuhause. Für niemanden. Kinderaugen ohne Glanz. Ängstliches Zusammenrücken vor fremder Kamera. Kollateralschaden in Kleinmenschformat. Traumatisiert auf immer. Bombentrichter in Dörfern, wo diese laut CNN niemals sein konnten. Denn man bombardierte aus 5000 Metern Höhe natürlich mit einem Skalpell. Minimalinvasiv und mit Tarnkappe. Anflug über den großen Teich. Dann wieder zurück. Abertausende Kilometer. Für Menschenrechte? Ein Waffentest im strategisch unwichtigen Sandkasten wohl eher. Kasernenbauten vor offiziellem Mandat des Bundestages. Hitlergruss dem deutschen Besucher. Massengräber inmitten einer Stadt. Fussballplätze voller Kreuze. Ratlosigkeit. Das alles passierte. Sechs Autostunden von hier. Noch heute sehe ich das alles vor mir. Wie lange ist es her? 15 Jahre? Ich habe gesehen, was Realität und offizielle Nachrichtenlage miteinander zu tun haben, wenn Interessen bewaffnet werden. Inmitten von Europa. Was wird wohl sein, wenn Tausende, unüberbrückbare Kilometer dazwischen liegen? Was sagen uns die Bilder? Was passiert hinter der Kamera? Es interessiert uns nicht. Gutezeitenschlechtezeiten. Ende. Vielleicht noch ein Stratosprung, gesponsert vom Roten Ochsen, der in meiner Heimatstadt witziger Weise für einen Stasiknast steht. Oder Bilder vom Marsroboter. Der hat Kieselsteine gefunden. Oh. Es gab dort Wasser. Jetzt leider nichtmehr. Wie schade.