Schulsport vs. Maibaumsetzen?

Wir haben lange diskutiert. Mit den Vereinen, die den Auensportplatz nutzen. Mit dem Ortschaftsrat und auch mit vielen Bürgern. Am Ende war es keine Herzens- wohl eher eine Vernunftentscheidung: Der Auensportplatz im Hochwasserbereich wird perspektivisch aufgegeben. Zu groß das Risiko, dass bei einem erneuten Flutfall die Schäden nicht mehr zu beseitigen sind, weil es sich die Stadt nicht leisten kann. Träte erneut ein Schaden ein ohne milliardenschweres Förderpaket von sonstwo – wir hätten gar nichts. Das war Konsenz.  Die Alternative – ebenfalls reichlich diskutiert, unter Beteiligung der Vereine auch geplant und schließlich vom Ortschaftsrat und es Stadtrat abgesegnet: Die Stadt errichtet an Stelle der Jahnkampfbahn eine neue Sportanlage, die modern und auf neuestem Stand eine neue Sportheimat bietet. Zudem bekommt die Grundschule, einer der wichtigsten Eckpfeiler der Zukunft unserer Stadt, eine neue Sportanlage. An Stelle des alten Sportplatzes, der diese Bezeichnung nur noch rudimentär verdiente. Und auch wenn bis heute der eine oder andere damit nicht glücklich ist – was ich emotional durchaus verstehen kann: Es war ein demokratischer Prozess mit breiter Bürgerbeteiligung, die es bisher in diesem Maß nicht gegeben hatte. Und er hatte ein klares Ergebnis. Seit letzter Woche ist nun klar, dass ein weiteres Kapitel in der Sache geschrieben wird. Es wird kein Maibaumsetzen in Erdmannsdorf geben in diesem Jahr. Der Grund, der wie üblich unter der Hand weitergegeben wird:  Die Stadt hat die Sportanlage für die Schule gebaut und der alte Sportplatz, lange Jahre einmal im Jahr für eben dieses Fest genutzt, steht nun nicht zur Verfügung.

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Vom Müll in unseren Papierkörben

Viele Bürger haben sich gewünscht, dass wir an den Bushaltestellen wieder Papierkörbe installieren. Obwohl wir intern so unsere Befürchtungen hatten, haben wir dies umgesetzt. Nun ist eingetreten, was wir geahnt hatten: Die Papierkörbe werden von einigen Bürgern dazu benutzt, die heimische Mülltonne zu entlasten. So wurde der kleine Finger zum ganzen Arm, denn jetzt entsorgt die Stadt privaten Hausmüll. Auf Kosten aller. So war es nicht wirklich gedacht und es ist auch nicht unbedingt jene Lösung, die wir uns vorstellten. Besonders in Erdmannsdorf und in Augustusburg, Marienberger Straße ist nun zu beobachten, dass die Papierkörbe mit Mülltüten blockiert werden. Sieht nicht schön aus und kosten auch eine schöne Stange Geld. 

Ich möchte es an dieser Ställe klar sagen: Das werden wir nicht dulden, denn das ist nicht die Funktion der öffentlichen Papierkörbe. Diese sollen lediglich dafür sorgen, dass weniger Müll der Reisenden in Privatgrundstücken landet. Wir werden nun das Ganze beobachten und ich darf schon jetzt sagen, dass es empfindliche Strafen geben wird, wenn wir jemanden auf frischer Tat ertappen sollten. Und ich möchte auch alle Bürger dazu aufrufen, uns Zuwiederhandlungen zu melden, wenn diese auffällig werden. Denn dieser Müll belastet unseren Haushalt. Und je mehr wir hier ausgeben müssen, desto weniger können wir für das Wohl aller tun. So einfach ist das. Also liebe Sparfüchse. Seid auf der Hut. Wenn wir Euch erwischen, dann wird es deutlich teurer, als eine Leerung, die ihr vielleicht auf diesem Wege spart. Es ist bedauerlich, dass man dies sagen muss. Die Stadt ist gern für jeden da.  Aber nicht für jedermanns Müll.

Ahlan wa Sahlan! Ankunft mit vielen Helfern

Am vergangenen Montag, just jenem Tag an dem uns auch Frau Integrationsministerin  Köpping (SPD) besuchte, kamen auch die ersten Flüchtlinge in unsere Stadt. Eine siebenköpfige Familie aus den Kurdengebieten in Syrien fand bei uns zunächst Aufnahme. Am Freitag folgten dann weitere vier Kriegsflüchtlinge, Schwester, Bruder und zwei kleine Mädchen, ebenfalls aus Syrien.  Nun, eine Woche später, können wir das erste Mal Luft holen und vor allem DANKE sagen. Der Unterstützerkreis unserer Stadt hat uns und unsere Gäste unglaublich unterstützt und wir konnten gemeinsam bisher alle Probleme lösen und sehr viel möglich machen, was so nicht möglich gewesen wäre. Gemeinsames Einkaufen als Orientierungshilfe, Arztbesuche und Papierkram. Dies alles braucht Zeit, Kraft und Nerven. Doch Dank des persönlichen Einsatzes einiger Erdmannsdorfer konnten wir trotz der kurzen Vorwarnzeit (48 h) und einiger unschöner Rahmenbedingungen alles so gestalten, dass diese Menschen, die teils Schlimmes durchlebt haben, erst einmal zur Ruhe kommen konnten. Inzwischen beginnt ein kleiner Deutschkurs, ebenfalls privat organisiert, um an der wohl höchsten Hürde zu arbeiten, die derzeit noch besteht: Der Sprachbarriere. Kein Deutsch, kein Englisch und Dolmetscher sind Mangelware. Doch auch hier hat Privatinitiative geholfen, denn eine Unterstützerin hat kurzerhand einen Arbeitskollegen, einen Studenten aus Syrien, der in ihrem Büro ein Praktikum macht, aktiviert. Der junge Mann hat sehr viel seiner Freizeit inzwischen geopfert, um uns zu helfen um die wichtigsten Übersetzungen zu machen. Danke auch dafür.

Gemeinsam mit dem reichlichen Strom an Sachspenden und Unterstützungsangeboten sind dies die Voraussetzungen, ein würdiges Willkommen zu  schaffen und auch die wirklich spartanischen Wohnungen ein wenig wohnlicher zu machen. Und möglich wird auch einiges, was eigentlich bereits geschafft sein sollte. Was ich meine? Ganz einfach. Dass es ehrenamtliche Unterstützung braucht, dies ist klar. Und irgendwie auch Teil des Ganzen. Dass es aber ohne diese gar nicht funktionieren würde, weil beinahe alle finanziellen Hilfen  für die Kommunen hinter Förderantragsstapeln verborgen liegen und unsere Organisation des Themas noch immer nicht so richtig funktionieren will. Ja. Das Land hat Geld zur Verfügung gestellt. Bis jenes aber fließt, muss eigentlich alles schon getan sein. Ein Dilemma. Ich wünschte mir für die Zukunft mehr Vertrauen in die Städte und Kommunen, denn es könnte leichter sein. Beispielsweise über eine Pauschale pro zugewiesenem Flüchtling beispielsweise. Dann wüssten wir, wofür wir welches Geld einsetzen können und wären viel schneller und flexibler. Und vor Ort wissen wir ohnehin am Besten, wofür wir das Geld verwenden müssen, denn wir sind jeden Tag da. Abgerechnet wird zum Schluss. Und wer das Geld eben nicht richtig verwendet hat, muss es zurückzahlen. Einmal Aufwand, alles gut. Das wäre ein Weg.

Doch das soll den guten Auftakt nicht trüben. Ich bin sehr stolz auf den Unterstützerkreis und sage Danke. Auch und ganz besonders im Namen der Menschen, die nun in einem fremden Kulturkreis, weitgehend ohne Sprache und Orientierung auf uns angewiesen sind. Darauf, dass wir wirklich helfen. Und diese Hilfe wird mit so viel Herzlichkeit erwidert, wie ich es in meinem Leben nur selten beobachten und erleben konnte. Diese Menschen haben Schlimmes erlebt, sind vor Krieg und IS geflüchtet, haben Familienangehörige auf der Flucht verloren und wissen bis heute nicht, wo diese geblieben sind. Sie mussten im Boot Teile ihrer Habe über Bord werfen und sind nun bei uns gestrandet. Zwischen Stahlspinden und Stahlrohrbetten. Bescheiden. Freundlich und mit einem Glas Tee und etwas zu essen für jeden, der ihr Heim betritt. Man ist sprachlos angesichts dieser Situation und es fällt schwer zu ermessen, wie es in diesen Menschen wirklich aussieht. Wir werden uns kennenlernen und ich weiß schon jetzt, dass uns dies auch reicher machen wird.